Mehr als 80 % aller jährlichen Krebsfälle bei Kindern treten in Ländern mit niedrigem oder mittlerem durchschnittlichen Einkommen auf (LMICs für low-income and middle income countries). Auch hier steigt die Überlebensrate, wodurch Langzeitkomplikationen wie sekundäre Malignome, Kardiomyopathien, Infertilität, psychische Probleme und reduzierte Lebensqualität in den Vordergrund rücken.
Verschiedene Gruppen wie die „Children‘s Oncology Group“ und die „International Late Effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group“ haben Konsensus-Empfehlungen zur Langzeit-Nachsorge von Kindern mit überlebten Krebserkrankungen entwickelt, die aber vor allem auf Studien aus HICs basierten. Dadurch bleiben Unterschiede in Krankheitslast, Bedürfnissen und geringeren Ressourcen in ärmeren Ländern möglicherweise unberücksichtigt.
Melissa Martos und ihr Team haben die weltweite Studienlage aus den Jahren 1981 bis 2021 unter diesem Aspekt noch einmal in einem systematischen Review gesichtet. Sie fanden insgesamt 1.558 Studien zu Langzeitkomplikation nach pädiatrischen Krebserkrankungen, die aus 43 Ländern und Regionen stammten. Die häufigsten untersuchten Krebsarten waren Leukämien (47,8 %), Lymphome (34,1 %) und ZNS-Karzinome (31,5 %).
Mit 95,2 % waren Studien aus HICs in Europa und Nordamerika deutlich überrepräsentiert, wenn auch der Anteil von Studien aus LMICs mit der Zeit zugenommen hatte. Nur drei Studien waren z.B. in Afrika durchgeführt worden, 12 in Südostasien. Körperliche Auswirkungen waren am meisten untersucht worden (in 73,3 %), das gilt insbesondere für die Studien aus den ärmeren Ländern (hier 88,8 %). In den HICs waren die untersuchten Kohorten und Querschnittsproben deutlich größer (im Mittel 276,5 vs. 87 Teilnehmende) und bezogen sich häufiger auf die Gesamtbevölkerung als auf einzelne Institutionen, was einer insgesamt höheren Studienqualität entspricht.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Studien zur Situation von Überlebenden kindlicher Krebserkrankungen bei weitem nicht die weltweite Gesamtpopulation der Überlebenden repräsentieren. Hierzu müssen Untersuchungen in ärmeren Regionen und Ländern speziell gefördert werden. Außerdem sollten mentale Gesundheit und mögliche Präventionsmaßnahmen in den Studien stärker berücksichtigt werden und die Untersuchungen auf mehr Krebsentitäten ausgeweitet werden, so das Autorenteam.