Xutong Zhao von der Dalian Medical University in China hat die heutigen Therapiemöglichkeiten in einem Review zusammengefasst.1
Die Krebstherapie-bedingte Thrombozytopenie (CTIT für Cancer treatment-induced thrombocytopenia) steigert das Blutungsrisiko und kann einen negativen Einfluss auf die Effektivität der Behandlung und die Lebensqualität haben. Die Ursachen sind multifaktoriell und unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Therapiearten wie Chemotherapie, Immuntherapie und gezielter Therapie.
Plättchen-Transfusion als Notfallmaßnahme
Die Plättchen-Transfusion ist die schnellste und effektivste Art, eine schwere Thrombozytopenie zu behandeln. Primäre Indikationen sind aktive Blutungen, geplante chirurgische Eingriffe und besonders niedrige Thrombozytenzahlen. Die Infusion birgt aber auch Risken. So kann es z.B. zu allergischen oder febrilen Reaktionen oder Exazerbationen von Thrombosen kommen. Außerdem können sich Antikörper gegen die Spender-Plättchen entwickeln, was weitere Transfusionen erschwert.
Weitere Therapiemöglichkeiten sind die Gabe von rekombinantem humanem Interleukin-11 (rhIL-11), rekombinantem humanem Thrombopoietin (rhTPO) oder Thrombopoietinrezeptor-Agonisten (TPO-RAs).
IL-11 hat sich in Studien bewährt
IL-11 spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen biologischen Prozessen – insbesondere bei der Hämatopoese und der Immunregulation. Es stimuliert die Thrombopoese im Knochenmark und wurde schon erfolgreich bei der CTIT eingesetzt. In kontrollierten Studien zeigte sich ein Anstieg der Plättchenzahlen und eine Besserung der mit der Thrombozytopenie einhergehenden Symptome. Auch die Zahl der Blutungen konnte reduziert werden. Mögliche Nebenwirkungen sind u.a. kardiale Störungen, Ödeme, Gewichtszunahmen und Blutdruckschwankungen.
Prophylaktische Gabe von rhTPO bei intensiven Chemotherapien
Auch TPO fördert die Proliferation, Differenzierung und Reifung von Megakaryozyten. In Phase-1- und 2-Studien wurde gezeigt, dass die Zugabe von rhTPO zur Chemotherapie zu einer deutlich schnelleren Erholung der Plättchenzahlen führt. Zurzeit wird die prophylaktische Gabe von rhTPO unter verschiedenen Chemotherapie-Regimen untersucht. Erste Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die prophylaktische Gabe von TPO das Ausmaß und die Dauer der Thrombozyptopenie deutlich reduzieren kann.
TPO-Rezeptoragonisten als neue Therapieoption
Eine weitere Therapiemöglichkeit sind TPO-Rezeptoragonisten wie Eltrombopag, Hetrombopag, Romiplostim, Lusutrombopag und Avatrombopag. Diese Substanzen werden zurzeit in klinischen Studien untersucht.
Auch in der Komplementärmedizin beschäftigt man ich mit der CTIT-Therapie. So konnte in einer Studie ein signifikanter Anstieg der Thrombozytenzahlen unter Koffeinsäure beobachtet werden. Die traditionelle chinesische Therapie (TCM) wird ebenfalls zum Teil eingesetzt, um Chemotherapien besser verträglich zu machen und Nebenwirkungen einschließlich einer Thrombozytopenie vorzubeugen.