Die Ergebnisse unterstützen die Gabe von Durvalumab als potenzielle neue Therapie für diese Patientengruppe, schlussfolgerte
Prof. Dr. Maria de Santis, Charité Universitätsmedizin Berlin, aus den Ergebnissen der Phase-3-Studie POTOMAC beim ESMO-Kongress in Berlin (Abstract
LBA108). Parallel erschienen sie in
The Lancet. 1,2 Für Diskutant Prof. Dr. Bradley McGregor, Dana Farber Cancer Institute, Boston, ist eine adäquate Behandlung mit BCG eine hohe Messlatte. Mit moderner transurethraler Resektion des Tumors (TURBT) und BCG habe man die Behandlungsergebnisse bereits stark verbessert. Immuncheckpoint-Inhibitoren seien auf keinen Fall ein Ersatz für die BCG-Behandlung und die Zugabe der Immuncheckpoint-Inhibitoren zu BCG sei auch keine absolut sichere Bank. Sie führe zwar zur Verbesserung des DFS, aber man müsse die Wirkungen gegen die Nebenwirkungen abwägen, denn 20 bis 30 % der Patientinnen und Patienten hätten unerwünschte Wirkungen vom Schweregrad 3, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen könnten.
Zum Hintergrund der Studie
Das nicht-muskelinvasive Blasenkarzinom mit hohem Risiko wird standardmäßig mit einer TURBT behandelt, gefolgt von einer Induktions- und Erhaltungstherapie mit BCG. Obwohl initial viele Patienten auf BCG ansprechen, kommt es bei etwa 40 % innerhalb von 2 Jahren zum Rezidiv oder zur Progression.
Personen, die ein frühes Rezidiv entwickeln oder auf BCG nicht mehr reagieren, haben ein erhöhtes Risiko für ein muskelinvasives Blasenkarzinom (MIBC) oder eine metastasierte Erkrankung. Hier wird meist eine radikale Zystektomie empfohlen.
In der offenen randomisierten Phase-3-Studie POTOMAC wurde nun untersucht, ob die zusätzliche Gabe des PD-L1-Inhibitors Durvalumab zur Standard-BCG-Therapie die Krankheitskontrolle verbessern und das Rezidivrisiko bei Patienten mit BCG-naivem Hochrisiko-NMIBC nach TURBT reduzieren kann.
Design der POTOMAC-Studie
In der internationalen Studie wurden 1.018 erwachsene Patientinnen und Patienten mit histologisch bestätigtem, BCG-naivem Hochrisiko-NMIBC nach vollständiger TURBT randomisiert behandelt mit
- Durvalumab + BCG (Induktion + Erhaltungstherapie) (n= 339)
- Durvalumab + BCG (nur Induktion) (n = 339)
- BCG (Induktion + Erhaltung) (n = 340)
Durvalumab wurde in 13 Zyklen alle 4 Wochen in einer Dosis von 1500 mg i. v. appliziert. BCG wurde wöchentlich über 6 Wochen intravesikal gegeben (Induktionstherapie) und nach 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten 3x wöchentlich als Erhaltungstherapie.
Primärer Endpunkt war das vom Prüfarzt beurteilte krankheitsfreie Überleben (DFS) im Vergleich zwischen Durvalumab + BCG (Induktion und Erhaltung) und BCG (Induktion und Erhaltung).
Primärer Endpunkt erreicht
Der primäre Endpunkt DFS wurde erreicht. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 60,7 Monaten war durch die Zugabe von Durvalumab zu BCG das Risiko für einen Rückfall oder Tod signifikant um 32 % niedriger (HR 0,68, p = 0,0154). Das 24-Monats-DFS lag bei 86,5 % für Durvalumab plus BCG (Induktion und Erhaltung) im Vergleich zu 81,6 % für BCG (Induktion und Erhaltung) allein. Der Effekt war in den vordefinierten Subgruppen konsistent nachweisbar.
Es zeigten sich keine Hinweise, dass das Gesamtüberleben (OS) durch die Zugabe von Durvalumab negativ beeinflusst wurde. Die Durvalumab-Zugabe hatte auch keinen negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten.
Der sekundäre Endpunkt DFS mit Durvalumab plus BCG nur als Induktion war im Vergleich zu BCG Induktion und Erhaltung nicht signifikant unterschiedlich (HR 1,14).
Nebenwirkungen vom Schweregrad 3/4 traten bei 21 % der Patienten mit Durvalumab plus BCG-Induktion und -Erhaltung, bei 15 % mit Durvalumab plus BCG-Induktion und bei 4 % mit BCG-Induktion und -Erhaltung auf.
Nach Meinung von de Santis müssen für eine optimale Behandlung der Patientinnen und Patienten verschiedene Disziplinen gut zusammenarbeiten, z. B. Urologen und Onkologen, um die immunvermittelten Nebenwirkungen der Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie multidisziplinär zu managen.
Der Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.