Die kognitive Leistungsfähigkeit auch im Alter zu erhalten, ist den meisten Menschen ein großes Anliegen. Die Ernährung ist einer der beeinflussbaren Faktoren, die sich positiv auf das alternde Gehirn auswirken könnten. Die MIND-Diät (für Mediterranean–Dietary Approaches to Stop Hypertension Diet Intervention for Neurodegenerative Delay) kombiniert mit der klassischen mediterranen Diät und der gegen Hypertonie entwickelten DASH-Diät zwei Ernährungsformen, für die bereits positive Effekte auf das Gehirn gezeigt wurden. Schwerpunkt der Ernährung sind pflanzliche Lebensmittel (insbesondere Beeren, grünes Blattgemüse, Nüsse, Vollkornprodukte), Fisch, Geflügel und Olivenöl - der Verzehr von tierischen Lebensmitteln, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz wird eingeschränkt.
Beobachtungsstudie mit über 1.600 Älteren
Das Team um Hui Chen von der T. H. Chan School of Public Health in Boston hat jetzt auf Grundlage von Daten der Framingham Heart Study Offspring-Kohorte den Einfluss der Adhärenz zur MIND-Diät auf die Hirnmorphologie untersucht. Eingeschlossen wurden 1.647 Personen, bei denen im Alter von im Schnitt 60,9 Jahren erstmals ein Hirn-MRT angefertigt wurde, das dann alle 2 bis 6 Jahre wiederholt wurde. Zu Beginn und dann alle 4 bis 8 Jahre füllten die Teilnehmenden einen detaillierten Fragebogen zur Ernährung aus. Die Adhärenz zur MIND-Diät wurde dann in Bezug zur Entwicklung der grauen Hirnsubstanz und Ventrikelgröße gesetzt.
Die Teilnehmenden wurden je nach medianem MIND-Score in vier Tertile aufgeteilt (im mittel mit 5,5 Punkten, 6,8 Punkten und 8,3 Punkten oder maximal 15 Punkten). Die Punktzahl macht bereits deutlich, dass sich nur relativ wenig teilnehmende Personen ausgesprochen gesund im Sinne der MIND-Diät ernährt haben.
Langsamere Abnahme der grauen Substanz
Trotzdem zeigte sich im Verlauf von im Mittel 12 Jahren ein positiver Effekt: Der Anstieg des MIND-Scores um 3 Punkte war mit einem um 0,279 cm³/Jahr langsameren Rückgang der grauen Hirnsubstanz verbunden, was einer Abschwächung der altersbedingten Atrophie des Gehirns um 20,1 % oder umgerechnet 2,5 Jahren verminderter Gehirnalterung entsprechen würde. Außerdem war jeder Anstieg des MIND-Scores um 3 Punkte mit einer verlangsamten Zunahme des gesamten Ventrikelvolumens um −0,071 cm³/Jahr assoziiert, was einer um 1,0 Jahr verzögerten Gehirnalterung entspricht.
Beeren und Geflügel besonders vorteilhaft
Für die einzelnen Bestandteile der MIND-Diät zeigten sich deutliche Unterschiede. Die günstigsten Auswirkungen hatten ein hoher Verzehr von Beeren und der Ersatz von rotem Fleisch durch Geflügel. Unerwartet war der eher negative Effekt eines höheren Vollkornverzehrs. Hierunter kam es zu einem schnelleren Rückgang der grauen Substanz und einer schnelleren Ausdehnung der Ventrikel. Auch der Verzehr von Käse, der in der MIND-Diät eher als ungünstig bewertet wird, zeigte in der Studie eine Reduktion des Rückganges der grauen Substanz sowie der Ausdehnung der Ventrikel.
Viel Bewegung und Normalgewicht als verstärkende Faktoren
Die stärkste Assoziation zwischen MIND-Diät-Adhärenz und positiven Effekten auf die Hirnalterung zeigte sich bei körperlich aktiveren und normalgewichtigen Menschen. Dies weist darauf hin, dass sich kombinierte Lebensstilstrategien im Alter besonders günstig auf die Hirngesundheit auswirken könnten, so das Autorenteam.
Grundsätzlich sind die mit Beobachtungsstudien einhergehenden Einschränkungen zu beachten. Dazu gehört unter anderem die Anfälligkeiten von Ernährungsfragebögen zu Irrtümern und Fehlinformationen. Einige wichtige Einflussgrößen wie leichte kognitive Beeinträchtigungen zu Beginn der Studie, Veränderung der Ernährungsgewohnheiten im Verlauf oder genetische Faktoren konnten zudem nicht berücksichtigt werden.
Die vom Londoner
Science Media Center befragten Expertinnen und Experten beurteilen die Ergebnisse Trotzdem überwiegend positiv. Mohammad Talaei vom Wolfson Institute of Population Health in London sieht trotz aller Einschränkungen einer Beobachtungsstudie vor allem in der Verwendung der MRT-Bildgebung eine Stärke der Studie. Für Jacqui Hanley von der Stiftung Alzheimer’s Research UK bestätigen die Ergebnisse die Annahme, dass ein insgesamt gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen die Hirngesundheit mit zunehmendem Alter unterstützen können.