Bei Menschen mit terminaler Niereninsuffizienz kommen zur Therapie Peritonealdialyse (PD) oder Hämodialyse (HD) infrage. Bei der Entscheidung, welche Form für einen Patienten oder eine Patientin am ehesten geeignet ist, bleibt die geschätzteLebenserwartung ein entscheidender Faktor.
Randomisierte Studien sind für die Fragestellung, welche der beiden Dialyseformen überlegen ist, jedoch kaum realisierbar, weshalb sich die Evidenz traditionell auf Beobachtungsstudien stützt. Diese basieren häufig auf älteren oder heterogenen Kohorten, die unter einem Stand der Technik und Medizin untersucht wurden, die nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen.
Eine aktuelle systematische Meta-Analyse mit mehr als 1 Million Dialysebedürftigen aus 27 Beobachtungsstudien hat diese alte Frage nun erstmals ausschließlich anhand einer modernen Kohorte untersucht und die entsprechenden Behandlungen ab dem Jahr 2000 verglichen. Dadurch werden aktuelle Dialyseverfahren wie automatisierte PD, icodextrinhaltige Lösungen, biokompatible HD-Membranen und moderne High-Flux-HDF realitätsnah abgebildet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift
BMC Nephrology veröffentlicht.¹
Keine Gesamtmortalitäts-Unterschiede zwischen PD und HD
Über alle Studien betrachtet ergab sich kein signifikanter Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen PD und HD (Hazard Ratio [HR] 1,01; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,93–1,10). Damit schnitten beide Verfahren in modernen Kohorten praktisch gleichwertig ab. Die Heterogenität zwischen den Studien war jedoch hoch (I² = 94 %).
Vor allem jüngere Menschen scheinen von PD zu profitieren
Insbesondere das Alter der Behandelten stellte sich als signifikanter Effektmodifikator heraus: PD war bei Personen < 65 Jahre mit einem signifikant niedrigeren Sterberisiko assoziiert (HR 0,75; 95 %-KI 0,56–0,99), die Interaktion zwischen Alter und Modalität war insgesamt signifikant (p = 0,01). Die Autorinnen und Autoren erklären den Überlebensvorteil damit, dass es jüngeren Personen vermutlich leichter fällt, ihre PD zu managen (z. B. Peritonitisprävention, Therapieadhärenz).
Bei Behandelten ≥ 65 Jahre waren die Überlebensraten vergleichbar, es fand sich kein signifikanter Vorteil für eine der beiden Dialyse-Modalitäten.
Kein Unterschied bei der Therapie von Menschen mit Diabetes
In früheren Analysen schnitt PD bei Personen mit Diabetes häufig schlechter ab. In der aktuellen Auswertung zeigte sich jedoch weder ein signifikanter Interaktionseffekt (p > 0,05) noch ein systematischer Vor- oder Nachteil für PD oder HD.
Dies deutet darauf hin, dass bei Anwendung moderner Techniken und Schulungskonzepte auch Menschen mit Diabetes ohne erhöhtes Risiko eine PD anwenden können.
Bedeutende Unterschiede zwischen untersuchten Regionen
Signifikante Unterschiede (p < 0,01) bezüglich der HR ergaben sich unter Berücksichtigung der verschiedenen Regionen: So war die Verwendung von PD insbesondere in Europa (HR 0,89) und Nordamerika (HR 0,95) mit einem niedrigeren Mortalitätsrisiko verbunden. Ein gegenteiliger Trend zeigte sich dagegen in Asien (HR 1,21) und Ozeanien (HR 1,25).
Die Unterschiede scheinen jedoch weniger auf der Modalität selbst zu beruhen als vielmehr auf infrastrukturellen Unterschieden und damit einhergehenden Effekten auf die Verfügbarkeit der entsprechenden Technologien sowie zu Schulungs- und Unterstützungsprogrammen.
Art des HD-Zugangs beeinflusst Mortalität
Personen mit PD hatten einen klaren Überlebensvorteil gegenüber jenen mit HD über einen zentralvenösen Katheter (CVC) (HR 0,44, Interaktion zwischen Zugang und Modalität p < 0,01). Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung eines funktionsfähigen arteriovenösen (AV) Zugangs und zeigt, dass PD insbesondere bei Betroffenen, für die das Anlegen einer AV-Fistel nicht infrage kommt, eine sichere Alternative darstellen kann.
Fazit
Die Meta-Analyse zeigt klar, dass PD und HD heute zumindest in Europa und den USA insgesamt vergleichbare Überlebenschancen bieten. Dies ermöglicht es, klinische und persönliche Präferenzen stärker in den Vordergrund zu rücken.
Für die Praxis relevante Schlussfolgerungen der Studie sind unter anderem:
• PD ist in Bezug auf das Mortalitätsrisiko eine gleichwertige Option zur HD.
• Jüngere Menschen (< 65 Jahre) könnten einen Überlebensvorteil unter PD haben.
• Personen mit Diabetes müssen unter Ausschöpfung aktueller Möglichkeiten unter PD-Behandlung keinen Nachteil mehr befürchten.
• PD ist insbesondere dann eine vorteilhafte Option, wenn keine Möglichkeit für einen AV-Zugang besteht.
• Regionale Versorgungsstrukturen beeinflussen die Ergebnisse stärker als die Modalität selbst.