Nierensteinerkrankungen, von denen etwa 10 % aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens betroffen sind, stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für chronische Nierenerkrankungen (CKD), Harnwegsinfektionen und Nierenkrebs. Letzteres ist besonders besorgniserregend, da Nierenkrebs als die aggressivste Form von urologischen Krebserkrankungen gilt und eine 5-Jahres-Sterblichkeitsrate von 22 % aufweist, wie die Autorinnen und Autoren der aktuellen Meta-Analyse betonen.1
Bereits im Jahr 2015 war eine Meta-Analyse zur Assoziation von Nierensteinen mit Nierenkrebs durchgeführt worden, seitdem wurden jedoch keine aktualisierten Meta-Analysen veröffentlicht. Daher führten der Erstautor Prof. Naeem Bhojani, Professor für Urologie an der Universität von Montreal in Montreal (Quebec, Kanada), und sein Team das nun im
Canadian Urological Association Journal publizierte aktuelle systematische Review samt Meta-Analyse durch.
Nierensteine verdoppeln Nierenkrebsrisiko
Das Team suchte von Beginn bis Dezember 2024 in MEDLINE, EMBASE und CENTRAL systematisch nach Studien zu Nierensteinen und Nierenkrebsrisiko. Die Suche ergab 13 Studien, darunter 5 Kohorten- und 8 Fall-Kontroll-Studien, die in 8 Ländern in Asien, Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt wurden. Männer machten 48 % bis 68 % der Teilnehmenden in den Studien aus, ihr Alter lag zwischen 49 und 65 Jahren.
Insgesamt waren Nierensteine in der Vorgeschichte in 11 der 13 Studien signifikant mit einem erhöhten Risiko für Nierenkrebs assoziiert. Die gepoolte Risk Ratio (RR) betrug in der Meta-Analyse 2,36 (p < 0,001), was darauf hindeutet, dass Personen mit einer Vorgeschichte von Nierensteinen ein etwa doppelt so hohes Risiko hatten, an Nierenkrebs zu erkranken, als Personen ohne Nierensteine.
Stärkere Assoziation in neueren Studien
Das erhöhte Nierenkrebsrisiko wurde in allen untersuchten Subgruppen beobachtet – unabhängig vom Studiendesign, der geografischen Region, der Geschlechterverteilung, der Datenquelle, der Art der Kontrollgruppe und dem Jahr der Veröffentlichung der Studie. Dabei stellte sich heraus, dass der Zusammenhang zwischen Nierensteinen und dem Risiko für Nierenkrebs in neueren Studien stärker war als in älteren Studien (RR = 3,08 vs. 1,35; p < 0,001).
Bemerkenswert ist, dass in der früheren Meta-Analyse ein erhöhtes Nierenkrebsrisiko nur bei Männern festgestellt wurde, während die aktuelle Analyse zeigte, dass das Krebsrisiko sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit einer Vorgeschichte von Nierensteinen erhöht ist, was darauf hindeutet, dass „die zugrunde liegenden Mechanismen möglicherweise unabhängig von geschlechtsspezifischen Faktoren sind“, so die Autorinnen und Autoren.
Mögliche Mechanismen: Welche Rolle spielen CT-Untersuchungen?
Grundsätzlich sind die biologischen Mechanismen, die der Assoziation zwischen Nierensteinen und Nierenkrebs zugrunde liegen, bislang noch ungeklärt. Als mögliche Faktoren werden jedoch gemeinsame Stoffwechselstörungen oder Umwelteinflüsse vermutet, die sowohl zur Steinbildung als auch zur Karzinogenese beitragen könnten.
Der stärkere Zusammenhang zwischen Nierensteinen und dem Nierenkrebsrisiko in neueren Studien könnte darauf zurückzuführen sein, dass die CT mittlerweile als Goldstandard für die Diagnose und Überwachung von Nierensteinen gilt, da „die hohe Sensitivität der CT bei der Erkennung kleiner Nierenläsionen möglicherweise zu einer erhöhten Zahl von Zufallsfunden von Nierenkrebs bei Steinbildnern geführt hat“, so die Autorinnen und Autoren. „Diese Hypothese wird durch die Tatsache gestützt, dass die meisten Nierenkrebserkrankungen zufällig diagnostiziert werden und aktiv überwachte Nierensteinpatienten zehnmal häufiger CT-Untersuchungen unterzogen werden als Patienten ohne Steine“, fügen sie hinzu.
Die viel höhere Rate an CT-Untersuchungen lässt auch vermuten, dass die Untersuchungen selbst eine Rolle beim höheren Krebsrisiko spielen könnten, so das Forschungsteam. „Da ionisierende Strahlung ein anerkanntes Karzinogen ist, könnte die erhöhte Exposition durch wiederholte CT-Untersuchungen teilweise für das beobachtete höhere Risiko für Nierenkrebs verantwortlich sein“, so das Team. „Diese Hypothesen erfordern weitere Untersuchungen, um die Beiträge der diagnostischen Bildgebung von potenziellen zugrunde liegenden biologischen Mechanismen zu trennen.“
Klinische Implikationen
Obwohl die aktuellen Leitlinien keine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung auf Nierenkrebs in der Allgemeinbevölkerung empfehlen, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine gezielte Vorsorgeuntersuchung bei Risikogruppen, darunter Personen mit einer Vorgeschichte von Nierensteinen, gerechtfertigt sein könnte, so die Autorinnen und Autoren.
Die Ergebnisse untermauern zudem die Vorteile verstärkter Anstrengungen zur Prävention und Behandlung von Nierensteinen. „Die gemeinsamen Risikofaktoren dieser Erkrankungen, wie Fettleibigkeit, Rauchen und bestimmte Ernährungsgewohnheiten, legen nahe, dass Maßnahmen, die auf diese Erkrankungen abzielen, möglicherweise das Risiko für [Nierensteine und Nierenkrebs] gleichzeitig senken könnten“, schreibt das Team. „Leistungserbringer im Gesundheitswesen sollten erwägen, Menschen mit Nierensteinen über ihr potenziell erhöhtes Nierenkrebsrisiko aufzuklären und die Bedeutung einer konsequenten Nachsorge und Änderung der Lebensweise zu betonen.“
Fazit
Menschen, die Nierensteine entwickeln, haben ein etwa doppelt so hohes Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken, wie Menschen ohne Nierensteine, so die Ergebnisse eines systematischen Reviews mit Meta-Analyse. Dieser Zusammenhang wurde über verschiedene Subgruppen hinweg beobachtet.
„Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer verstärkten Krebsüberwachung bei Personen mit Nierensteinen in der Vorgeschichte und legen nahe, dass weitere Forschungen zu gemeinsamen pathophysiologischen Mechanismen und potenziellen Präventionsstrategien erforderlich sind“, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Medscape.com.