Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass normale Proteine im Urin (Urin-Proteom) die Kristallisation, das Wachstum und die Aggregation von Kalziumoxalat hemmen. Das Urin-Proteom von Personen, die Nierensteine bilden, fördert dagegen durch oxidative Modifikationen diese Faktoren und begünstigt dadurch die Bildung von Kalziumoxalatkristallen.2,3
„Wir haben nach neuen Ansätzen gesucht, um Nierensteinerkrankungen und deren Wiederauftreten zu reduzieren“, erklärte Prof. Dr. Visith Thongboonkerd vom Siriraj Hospital der Mahidol University in Bangkok (Thailand) gegenüber Medscape Medical News. Die neuen Erkenntnisse, die er und seine Gruppe nun auf der NUTRITION 2025, der Jahrestagung der American Society for Nutrition, vorstellten,¹ sind das Ergebnis der Bemühungen des Teams, zu untersuchen, ob Nahrungsergänzungsmittel diese oxidativen Veränderungen modulieren und so möglicherweise die Bildung von Steinen verhindern können.
Inhibitorische Wirkungen aufgedeckt
Mithilfe von Kristallisations-, Wachstums- und Aggregationsassays verglich das Team die modulierenden Wirkungen von Koffein, Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG), N-Acetylcystein (NAC), Resveratrol und Trigonellin (in Konzentrationen von 1, 10 und 100 μM, d. h. innerhalb ihres physiologischen Bereichs im Urin) auf Calciumoxalatkristalle.
Sie fanden heraus, dass die Nahrungsergänzungsmittel unterschiedliche Wirkungen hatten:
- Koffein hemmte die Kristallbildung.
- EGCG hemmte die Kristallbildung und das Kristallwachstum.
- NAC hemmte die Kristallaggregation.
- Resveratrol hemmte das Kristallwachstum.
- Trigonellin hemmte das Kristallwachstum und die Kristallaggregation.
Bemerkenswert ist jedoch, dass Resveratrol auch die Kristallaggregation förderte und somit als dualer Modulator fungierte, der in verschiedenen Schritten der Steinbildung sowohl als Hemmstoff als auch als Förderer wirkte.
EGCG, Resveratrol und NAC am wirksamsten
Weitere Analysen ergaben, dass EGCG der wirksamste Inhibitor der Bildung von Calciumoxalatkristallen war, während Resveratrol der wirksamste Inhibitor des Wachstums von Calciumoxalatkristallen war. NAC war der einzige Inhibitor der Aggregation von Calciumoxalatkristallen.
Die Ergebnisse stützen die Rolle dieser Nahrungsergänzungsmittel bei der Prävention von Nierensteinen, so die Autorinnen und Autoren. „Es wird noch eine Weile dauern, bis wir eine klare Schlussfolgerung ziehen können, dass die Verschreibung dieser Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit Nierensteinen wirklich von Vorteil ist, ohne dass sie schädlich sind“, räumte Prof. Thongboonkerd ein. Die nächsten Schritte würden die Validierung der In-vitro-Ergebnisse in klinischen Studien umfassen.
Fazit für die Praxis
Neuen Forschungsergebnissen zufolge können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel in vitro die Bildung, das Wachstum und die Aggregation von Kalziumoxalat-Kristallen hemmen und so letztendlich zur Vorbeugung von Nierensteinen beitragen. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Nahrungsergänzungsmittel müssen jedoch erst noch in klinischen Studien untersucht werden.
Dieser Beitrag ist im Original bei Medscape.com erschienen.