Hyponatriämien sind häufig, erklärte der Direktor der Klinik für Innere Medizin II der Universitätsmedizin Halle (Saale) und Ärztlicher Leiter des KfH Nierenzentrums Halle (Saale) in Mannheim:1 In einer schwedischen Analyse hatten 3 % der Notaufnahme-Patientinnen und -Patienten einen Serum-Natriumspiegel < 135 mmol/l. Zu den häufigsten Ursachen zählten Medikamente wie Thiazid-Diuretika, Volumenmangel und SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion).
Diagnostische Einordnung
Den Leitlinien entsprechend gilt es, zuerst eine klinische als auch biochemische Einordnung des Hyponatriämie-Schweregrades zu treffen, so Prof. Girndt.
- „Asymptomatisch“ (wobei Prof. Girndt zufolge auch bei scheinbar asymptomatischen Personen Folgen der Hyponatriämie feststellbar sind, beispielsweise ein erhöhtes Sturzrisiko durch Gleichgewichtsprobleme)
- Moderat: Übelkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen
- Schwer: Erbrechen, Herz-Kreislauf-Symptome, Somnolenz, Krampfanfall, Koma
- Mild: Natrium 130–135 mmol/l
- Moderat. 125–129 mmol/l
- Schwer: < 125 mmol/l
Bei milder bis moderater Hyponatriämie: Volumenstatus bestimmen
Bei Personen mit milder bis moderater Hyponatriämie empfehlen die Leitlinien, den Volumenstatus zu erheben. Man unterscheidet 3 Kategorien mit jeweils unterschiedlichen Ätiologien und Therapieempfehlungen:
Tolvaptan, Flüssigkeitsrestriktion oder Harnstoff?
Prof. Girndt zufolge ist Tolvaptan zwar eine sichere Methode zur schnellen Anhebung des Serumnatriums, hinsichtlich harter Endpunkte wie Sterblichkeit oder kardiovaskulärer Ereignisse konnte bislang jedoch in Studien kein Vorteil gegenüber der Standardtherapie (Flüssigkeitsrestriktion) gezeigt werden.
Hinsichtlich der Flüssigkeitsrestriktion wies der Nephrologe darauf hin, dass diese Maßnahme lediglich bei rund 50 bis 70 % der Betroffenen wirksam ist, abhängig u. a. von der Ätiologie der Hyponatriämie. Daher besteht Prof. Girndt zufolge weiterhin Bedarf an anderen, kostengünstigen Möglichkeiten zur Korrektur einer Hyponatriämie.
Eine solche Möglichkeit ist Harnstoff. Er stellte 2 Studien hierzu vor, in der sich mittels hoher oral zugeführter Harnstoff-Mengen (bis zu 90 g/Tag) die Serum-Natriumspiegel bei Personen mit eu- oder hypervolämer Hyponatriämie signifikant verbessern ließen.
Was tun bei einer schweren Hyponatriämie?
Liegt das Serum-Natrium < 125 mmol/l und bestehen relevante klinische Symptome wie Erbrechen, Herz-Kreislauf-Symptome, Somnolenz, Krampfanfall oder Koma, spricht man von einer schweren Hyponatriämie. In diesen Fällen ist eine Korrektur durch Flüssigkeitsrestriktion, Harnstoff oder Tolvaptan nicht ausreichend, sondern es ist eine Infusion von 150 ml 3 % NaCl über 20 min indiziert. Dies sollte unter strenger Kontrolle des Serum-Natriums erfolgen. Die hypertone Infusion sollte so oft wiederholt werden, bis das Serum-Natrium um 5 mmol/l angestiegen ist. Cave: Es besteht das Risiko einer Überkorrektur (> 8 mmol/l innerhalb von 24 h), die schwere neurologische Komplikationen zur Folge haben kann (pontine Myelinolyse).
Wie aber lässt sich eine solche Überkorrektur vermeiden? Prof. Girndt zufolge ist es wichtig, die hypertone Lösung immer nur als Bolus über 20 min zu geben und nicht als kontinuierliche Infusion. Für den Fall, dass sich trotzdem eine Überkorrektur abzeichnet, empfahl der Nephrologe, die Bolus-Gabe zu stoppen und die Gabe von Desmopressin oder Glukoselösung zu erwägen.
Fazit
Bei der Hyponatriämie handelt es sich um eine relativ häufige Elektrolytstörung, bei der bereits milde Formen relevant sind, beispielsweise indem sie das Sturzrisiko erhöhen. Prof. Girndt empfahl eine diagnostische Stratifizierung nach Volumenhaushalt und Urin-Natrium. Bei eu- oder hypervolämer milder bis moderater Hyponatriämie erfolgt die Korrektur mittels Flüssigkeitsrestriktion, Harnstoff oder Tolvaptan, bei schweren Formen dagegen mittels hypertoner Lösung unter engmaschiger Kontrolle, um eine Überkorrektur zu vermeiden.