Getunnelte zentralvenöse Katheter werden in der Regel nur temporär als Zugang zur Hämodialyse verwendet, bis alternative Zugänge wie eine arteriovenöse (AV) Fistel etabliert sind, da das Risiko für Komplikationen wie Infektionen und Thrombosen recht hoch ist. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sie auch längere Zeit in situ verbleiben, beispielsweise nach Ausschöpfen anderer Zugangsmöglichkeiten. Mit zunehmender Liegedauer steigt jedoch das Risiko einer Adhäsion zwischen dem Schlauch und der Venenwand, was eine spätere Extraktion erschwert.
Im
vorliegenden Fall wurde der getunnelte Dialysekatheter auf Wunsch der 66-jährigen Patientin für die Hämodialyse 5 Jahre lang in der Vena jugularis interna belassen. Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation ohne Komplikationen sollte der Katheter am 5. Tag post-OP routinemäßig unter Lokalanästhesie entfernt werden. Die Muffe ließ sich problemlos abtrennen, doch als Zug auf den Katheter ausgeübt wurde, führte dies zu Erstickungsgefühlen bei der Patientin, während ipsilaterale Bewegungen der Mittellinienstrukturen einschließlich der Luftröhre evident waren. Weitere Extraktionsversuche verliefen ebenfalls frustran.
Die anschließend durchgeführte Kontrastmittel-CT-Angiografie zeigte eine Verengung der Vena cava superior um den Katheter beim Eintritt in den rechten Vorhof (Abb. 1A). Der initiale Versuch einer Dissektion des Schlauchs mittels stumpfer Pinzette unter Fluoroskopie wurde aufgegeben, als erneut eine Verlagerung der Luftröhre und Beschwerden beim Versuch der Traktion auftraten. Die Verwendung eines Lasers wurde in Erwägung gezogen, jedoch aufgrund des Durchmessers des Hämodialysekatheters (7 mm; maximaler Diameter für das bestehende Laserssystem: 5 mm) verworfen.
In der interdiziplinären Fallbesprechung zwischen den Teams der Gefäßchirurgie, Herz-Thoraxchirurgie und der interventionellen Radiologie fiel dann der Entschluss, eine Ballondilatation gemäß der Hong-Technik unter Durchleuchtungskontrolle durchzuführen. Ein Führungsdraht wurde über ein Lumen des zentralen Venenkatheters in die Vena cava inferior eingeführt. Anschließend führte das Behandlungsteam mittels eines 6-mm-Ballons eine sequenzielle Dilatation von distal nach proximal durch (Abb. 1B), um die Adhäsion zwischen Gefäßwand und Katheter zu durchbrechen. Daraufhin ließ sich der Hämodialysekatheter ohne relevanten Widerstand entfernen (Abb. 1C). Die Patientin erlitt auch im Verlauf keine Komplikationen und wurde am 8. Tag nach der Transplantation nach Hause entlassen.
Die Entfernung eingewachsener zentralvenöser Katheter kann eine Herausforderung darstellen. Die in diesem Fall vorgestellte Ballondilatation nach Hong stellt eine sichere Technik zur Aufhebung der Adhäsion zwischen Katheter und Venenwand dar und erlaubt eine Exktraktion des Katheters ohne invasiven chirurgischen Eingriff. Die Autorinnen und Autoren des Fallberichts plädieren trotzdem dafür, dialysepflichtige Patientinnen und Patienten bei der Besprechung der Gefäßzugangsoptionen über das Langzeit-Risiko der Impaktierung bei getunnelten Hämodialysekathetern aufzuklären.