Die 2015 beendete SPRINT-Studie wurde bereits bei der Veröffentlichung der Ergebnisse für den primären Endpunkt2 kontrovers diskutiert und fachte den Streit um Nutzen und Risiken einer intensiven Blutdruckkontrolle mit Zielwerten < 120 mmHg bei Menschen mit Hypertonie an. Und die Ergebnisse von SPRINT beschäftigen Ärztinnen und Ärzte auch heute noch, denn die Forschungsgruppe veröffentlicht weiterhin regelmäßig neue Analysen. Ganz aktuell haben sich die Forschenden die Subgruppe der Personen mit CKD angesehen und den individuellen Netto-Nutzen einer intensiven Blutdrucksenkung mit Zielwerten <120 mmHg vs. < 140 mmHg analysiert; die Ergebnisse wurden bei der Kidney Week, der Jahrestagung der American Society of Nephrology, vorgestellt.1
Die Forschenden werteten die Daten von 2.012 Teilnehmenden aus, bei denen zum Studienbeginn eine CKD vorlag (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [eGFR] < 60 ml/min/1,73 m2). Für diese Gruppe berechneten sie die absolute Risikodifferenz zwischen einer Behandlung mit Zielwerten für den systolischen Blutdruck von < 120 mmHg vs. < 140 mmHg für folgende Parameter:
Das mittlere Alter in dieser Kohorte betrug 73 Jahre, 43 % waren weiblich. Die mittlere eGFR zu Studienbeginn lag bei 46 ml/min/1,73 m2, die Albuminurie betrug 16 mg/g.
Da in der SPRINT-Studie die Präferenzen der Teilnehmenden im Hinblick auf die Gewichtung von Vorteilen und Risiken der Behandlung nicht erhoben worden waren, simulierten die Forschenden verschiedene Szenarien: In ihrer Primäranalyse gingen die Forschenden davon aus, dass den Teilnehmenden die Vorteile der intensiven Blutdrucksenkung (Reduktion des Risikos für Tod, kardiovaskuläre Ereignisse und kognitive Einschränkungen) wichtiger waren als die Risiken (zum Beispiel akute Nierenschädigung oder Synkope). Unter dieser Annahme hatten 100 % der Teilnehmenden einen positiven Netto-Nutzen durch die Intensivtherapie (Tab. 1). In einer Sensitivitätsanalyse berechneten die Forschenden den Netto-Nutzen auf Basis der Annahme, dass Vorteile und Risiken für die Teilnehmenden gleich wichtig waren; in diesem Fall sank der Anteil derjenigen mit einem positiven Netto-Nutzen auf 90 % (Tab. 1).
Die Teilnehmenden wurden zudem anhand der eGFR zu Studienbeginn in 2 Gruppen eingeteilt: ≥ 45 ml/min/1,73 m2 und < 45 ml/min/1,73 m2. Auch hier lag in der Primäranalyse der Anteil derjenigen mit einem positiven Netto-Nutzen in beiden Gruppen bei 100 %, und auch in der Sensitivitätsanalyse war der Anteil zwischen beiden Gruppen vergleichbar (90 % bzw. 91 %, Tab. 2). Allerdings war in der Gruppe mit starker Nierenfunktionseinschränkung der Netto-Nutzen deutlich größer als in der Gruppe mit moderater Nierenfunktionseinschränkung (Tab. 2).
In dieser Analyse der Daten von Teilnehmenden der SPRINT-Studie mit CKD ergab sich für fast alle Personen ein Netto-Nutzen durch die intensive Blutdrucksenkung mit Zielwerten < 120 mmHg. Der Netto-Nutzen war dabei in der Gruppe der Personen mit fortgeschrittener CKD am größten.