Weil sie im Notfall selbst handeln müssen, bekommen Raumfahrer auch eine medizinische Ausbildung. „Ärzte können Raumfahrer zwar telemedizinisch betreuen, aber letztlich müssen die da oben auch alleine klarkommen“, sagte Bimba Hoyer, Fliegerärztin der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Das medizinische Training vor einer Mission finde unter anderem im Krankenhaus statt.
Raumfahrer lernen nach Esa-Angaben unter anderem, Blut abzunehmen, eine Wunde zu nähen, einen Zahn zu ziehen und eine provisorische Füllung einzusetzen. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen sowie Ultraschall- und Augenuntersuchungen beherrschen sie. An Bord der ISS helfe eine spezielle medizinische Checkliste mit klaren Anweisungen bei der Diagnose und Behandlung kranker oder verletzter Besatzungsmitglieder, sagte Hoyer. Zudem gebe es eine umfangreiche Bordapotheke.
„Der Besatzung stehen mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder anderen milden Arzneimitteln und ein Notfallkoffer zur Verfügung, der Schmerzmittel, Anästhetika, Medikamente für die Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und andere komplexere Instrumente und Arzneimittel zur Lebenserhaltung enthält“, heißt es bei der Esa. Zudem spreche ein Fliegerarzt in einer Art privaten Sprechstunde regelmäßig mit jedem Esa-Astronauten, um potenzielle Gesundheitsprobleme zu erörtern.
Erst kürzlich hatte die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine vierköpfige Astronauten-Besatzung wegen gesundheitlicher Probleme eines Crew-Mitglieds vorzeitig zurück zur Erde geholt - ein Novum in der ISS-Geschichte.2 Zur Identität des Crew-Mitglieds und zu Details der gesundheitlichen Probleme wollte sich die Nasa nicht äußern. Es habe aber nichts mit der Arbeit der Crew an Bord der ISS zu tun und es handle sich auch nicht um einen Notfall, sagte der Chef-Mediziner der Nasa, James Polk. Das Crew-Mitglied sei in stabilem Zustand. „Es bleiben Risiken und Fragen zur Diagnose. Das bedeutet, dass ein Risiko für den Astronauten an Bord bleibt.“ Die Gesundheit und das Wohlergehen des Astronauten zu gewährleisten, habe Vorrang, betonte Polk.