Nur rund 20 Prozent der untersuchten TikTok-Videos zu psychischen Störungsbildern waren fachlich korrekt.
• Besonders viele Falschinformationen fanden die Forschenden zum Thema Narzissmus.
• Es besteht das Risiko, dass vor allem junge Zuschauerinnen und Zuschauer durch Fehlinformationen auf Social Media falsche Schlussfolgerungen zu eigenen Symptomen ziehen.
„ADHS ist eine Superkraft“, „Narzissten lieben nicht“, „Autistische Menschen haben keinen Orientierungssinn“. Solche Aussagen erreichen auf TikTok Millionen Menschen. Eine neue Studie mit Beteiligung der Universität Witten/Herdecke (UW/H) zeigt jetzt: Nur knapp jedes fünfte untersuchte Video vermittelt fachlich korrekte Inhalte. Die Mehrheit war falsch, sie enthielt falsche oder stark vereinfachte Aussagen, viele weitere Videos schilderten lediglich persönliche Erfahrungen.
Für die Studie analysierten die Forschenden 177 deutschsprachige TikTok-Videos zu ADHS, Depression, Autismus, Narzissmus und posttraumatischer Belastungsstörung. Die Videos kamen zusammen auf mehr als 94 Millionen Aufrufe.
„Dass wir problematische Inhalte finden würden, hatten wir erwartet“, sagt Aaron Mroß, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie II der UW/H. „Dass aber so viele Videos falsche Informationen verbreiten, hat uns doch überrascht.“ Konzentrationsprobleme würden auf TikTok etwa schnell mit ADHS gleichgesetzt, obwohl sie viele Ursachen haben können.