Die optimale Einstellung des positiven endexpiratorische Drucks (PEEP) bei mechanisch beatmeten Patienten ist seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung. Diskutiert wird insbesondere, ob ein standardisierter PEEP von etwa 5 cm H₂O ausreichend ist oder ob ein individuell titrierter, höherer PEEP klinische Vorteile bietet. Ein zentraler Parameter dieser Strategie ist der Driving Pressure, definiert als Differenz zwischen Plateaudruck und PEEP. Er gilt als wichtiger Marker für die mechanische Belastung des Lungengewebes. Die Hypothese lautet, dass eine PEEP-Titration mit Minimierung des Driving Pressure die Lunge besser schützt und postoperative Komplikationen reduziert.
An der randomisierten DESIGNATION-Studie nahmen 1.435 erwachsene Patientinnen und Patienten teil, die sich einer offenen abdominellen Operation unterzogen und ein moderates bis hohes Risiko für postoperative pulmonale Komplikationen aufwiesen.1 Die Interventionsgruppe erhielt eine Beatmung mit individualisiertem, erhöhtem PEEP, der anhand des Driving Pressure titriert wurde, ergänzt durch regelmäßige Rekrutierungsmanöver. Die Kontrollgruppe wurde mit einem standardisierten PEEP von 5 cm H₂O beatmet.
Die Studie zeigte keinen Vorteil der individualisierten PEEP-Strategie. Pulmonale Komplikationen traten in der Hoch-PEEP-Gruppe bei 19,8 % der Patientinnen und Patienten auf, gegenüber 17,4 % in der Standardgruppe – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Auch bei sekundären Endpunkten wie postoperativer Mortalität oder Krankenhausverweildauer ergaben sich keine relevanten Differenzen. Demgegenüber zeigten sich vermehrt hämodynamische Instabilitäten unter dem hohen PEEP. Hypotonien mit Bedarf an medikamentöser Kreislaufunterstützung wurden bei 54 % der Patientinnen und Patienten der Interventionsgruppe beobachtet, gegenüber 45 % in der Kontrollgruppe. Der Einsatz von Vasopressoren verdoppelte sich hierdurch (32 % vs. 18,8 %).
Die Ergebnisse sprechen gegen eine routinemäßige Anwendung hoher PEEP-Werte, wenn diese ausschließlich anhand des Driving Pressure titriert werden, so das Forscherteam. Für den klinischen Alltag bleibt ein moderater Standard-PEEP die sichere Strategie. Zwar traten in der Niedrig-PEEP-Gruppe etwas häufiger kurzfristige intraoperative Desaturationen auf (2,8 % vs. 0,8 %), diese hatten jedoch keine klinisch relevante Auswirkung auf den postoperativen Verlauf. Insgesamt unterstreicht die Studie die Bedeutung der hämodynamischen Stabilität als primäres Ziel der intraoperativen Beatmung.
Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf laparoskopische Eingriffe ist begrenzt, da hier durch das Pneumoperitoneum andere Druckverhältnisse vorliegen. Zudem war die Steuerung der neuromuskulären Blockade zwischen den Studienzentren nicht vollständig standardisiert, was theoretisch die respiratorische Erholung beeinflussen könnte.