Geplante Kaiserschnitte auf mütterlichen Wunsch sind definiert als elektive Eingriffe vor Wehenbeginn ohne medizinische oder geburtshilfliche Indikation. Führende Fachgesellschaften wie das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) erkennen heute die Patientenautonomie an und unterstützen nach einer umfassenden Aufklärung die Entscheidung der werdenden Mutter. Hinter dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt stehen in der Praxis oft tief sitzende Ängste vor Wehenschmerzen, Sorge um die Integrität des Beckenbodens oder die Befürchtung negativer Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes. Ein aktueller Übersichtsartikel1 (JAMA) fasst die Pro- und Kontra-Aspekte zusammen.
Vaginale Geburten sind statistisch mit einer signifikant kürzeren Genesungszeit assoziiert. Die Frauen erreichen im Median nach 19 Tagen einen schmerz- und opioidfreien Zustand, während dies nach einer Sectio durchschnittlich 27 Tage dauert. Zudem weist der vaginale Geburtsweg deutlich geringere Raten an postpartalen Infektionen (0,94 % vs. 2,87 %), Thromboembolien und Anästhesiekomplikationen auf. Allerdings birgt der Versuch einer vaginalen Geburt auch spezifische Risiken, die oft erst unter der Geburt manifest werden. Wie Chorioamnionitis und postpartalen Hämorrhagien.
Hier zeigt sich oft ein Vorteil des geplanten Kaiserschnitts: Patientinnen empfinden die Geburtserfahrung häufig als erfüllender und weniger traumatisch, da die psychische Belastung einer eventuellen Not-Sectio nach stundenlangen Wehen entfällt. Frauen mit geplanter Sectio stufen ihr Erlebnis oft als weniger schwierig ein als Frauen, deren geplante vaginale Geburt in einem Kaiserschnitt endete.
Epidemiologische Studien identifizieren die vaginale Geburt als den führenden Risikofaktor für spätere Beckenbodenerkrankungen wie Organprolaps sowie Harn- und Stuhlinkontinenz. Das lebenslange Risiko für solche Störungen liegt nach einer Sectio bei etwa 27 %, während es nach einer vaginalen Geburt auf 42 % ansteigt. Eine umfassende Metaanalyse von 15 randomisierten kontrollierten Studien bestätigte, dass die Rate der Harninkontinenz ein bis zwei Jahre postpartum in der Sectio-Gruppe signifikant niedriger ausfällt (16,9 % vs. 22 %).
Diesen funktionellen Vorteilen der Sectio stehen jedoch gravierende Risiken für alle Folgeschwangerschaften gegenüber. Jede vorangegangene Sectio erhöht die Wahrscheinlichkeit für Uterusrupturen und lebensbedrohliche Plazenta-Akkreta-Spektrum-Störungen (Plazenta an Gebärmuttermuskulatur festgewachsen) massiv. Bei einer dritten Sectio steigt das Risiko für eine notwendige Hysterektomie bereits auf etwa 1 %, meist bedingt durch eine abnormale Plazenta-Adhärenz an der Uterusnarbe. Wenn die Plazenta direkt über der alten Narbe implantiert ist (Placenta previa) steigt das Risiko für eine Akkreta-Störung bei der dritten Sectio sogar auf 40 %.
Hinsichtlich der perinatalen Mortalität zeigen großangelegte Studien keinen signifikanten Unterschied zwischen den Geburtsmodi (beide ca. 1,3 %). Die geplante Sectio bietet jedoch statistische Vorteile bei der Vermeidung spezifischer Geburtskomplikationen. Das Risiko für mechanische Geburtstraumata des Kindes wie Nervenverletzungen oder Schädelfrakturen ist bei der Sectio geringer (0,3 % vs. 0,7 %).
Zudem wurde in der Sectio-Gruppe eine geringere Rate an fetalen Hypoxien unter der Geburt festgestellt. Auch das Auftreten einer neonatalen Hypotonie ist nach einem geplanten Kaiserschnitt statistisch seltener zu beobachten. Allerdings besteht dafür ein erhöhtes Risiko für respiratorische Anpassungsstörungen der Neugeborenen.
Für den klinischen Alltag bedeutet die Evidenzlage, dass die Beratung über den Geburtsmodus ein klassisches Feld für das Shared Decision-Making ist. Ärzte müssen die individuellen Ängste und Ziele der Patientin explorieren und wertfrei über die Vor- und Nachteile aufklären. Dabei muss die individuelle Familienplanung – insbesondere die gewünschte Kinderzahl – zentrales Element des Gesprächs sein, so das Fazit der Autoren.