Ihre Ergebnisse legen nahe, dass eine Integration von Vitamin-D-Screening und -Supplementierung in die routinemäßige Schwangerschaftsvorsorge dazu beitragen könne, die Wahrscheinlichkeit einer Zahnkaries im frühen Kindesalter zu verringern, schreiben die Mediziner.
Daten von mehr als 4.000 Mutter-Kind-Paaren
Frühkindliche Karies ist weltweit verbreitet: Eine Analyse der Vereinten Nationen in 193 Ländern von 2007 bis 2017 habe gezeigt, dass im Durchschnitt bereits 23,8 % der Kinder unter 3 Jahren und 57,3 % der 3- bis 6-jährigen Kinder kariöse Zähne aufweisen, berichten Yu und seine Kollegen.
Der mütterliche Vitamin-D-Spiegel während der Schwangerschaft ist mit dem späteren Kariesrisiko der Kinder zwar schon häufiger in Verbindung gebracht worden. Bisherige Studien, von denen viele eher klein und/oder retrospektiv waren, lieferten zum Teil aber widersprüchliche Ergebnisse.
Mit ihrer aktuellen Publikation wollten Yu und seine Kollegen den Zusammenhang zwischen dem mütterlichen Vitamin-D-Status in verschiedenen Trimestern der Schwangerschaft und der Zahnkaries der Nachkommen genauer untersuchen. Dazu analysierten die Forscher Daten der Zhoushan Pregnant Women Kohorte, für die zwischen August 2011 und Mai 2021 am Zhoushan Women's and Children's Health Hospital insgesamt 4.109 Mutter-Kind-Paare rekrutiert worden waren.
Die teilnehmenden Mütter waren 27 bis 32 Jahre alt. Ihre Babys – 51,6 % Jungen und 48,4 % Mädchen – wurden zwischen der 28. und 40. Schwangerschaftswoche geboren. Den 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel der Mütter bestimmten die Wissenschaftler in allen Trimestern der Schwangerschaft. Den Zahnzustand der Kinder untersuchten sie mindestens einmal im Alter zwischen 12 und 71 Monaten bis November 2022.
Primärer Endpunkt ihrer Studie war die Diagnose von frühkindlicher Karies (Early Childhood Caries, ECCs). Sekundäre Endpunkte waren kariöse, fehlende oder gefüllte Zähne im Milchgebiss und die Kariesrate, das heißt das Verhältnis von kariösen, fehlenden oder gefüllten Zähnen zur Anzahl der durchgebrochenen Zähne.
Wie Yu und seine Kollegen berichten, war bei 960 der 4.109 Kinder (23,4 %) im Alter von 1 bis 6 Jahren ECCs zu beobachten. Höhere 25(OH)D-Spiegel, das heißt mindestens 30 ng/ml, im Blut der Mütter waren in allen Trimestern mit einem niedrigeren Kariesrisiko der Kinder verbunden – wobei die Odds Ratio (OR), also das Chancenverhältnis, bei Werten zwischen 0,98 (im 1. und 2. Trimester) und 0,99 (im 3. Trimester) lag. Das Kariesrisiko war folglich nur um 2 % beziehungsweise 1 % verringert. Einen leicht positiven Effekt hatte ein hoher 25(OH)D-Spiegel auch auf die sekundären Endpunkte der Studie.
Niedrige 25(OH)D-Spiegel von weniger als 20 ng/ml waren hingegen mit einem erhöhten Kariesrisiko der Kinder assoziiert, insbesondere wenn sie im 2. und 3. Trimester auftraten. Verglichen mit einem guten Vitamin-D-Status (≥30 ng/ml) lag die OR bei einem moderaten Vitamin-D-Mangel (≥12 bis <20 ng/ml) der Mutter im 3. Trimester bei 1,44 und bei einem schweren Mangel (<12 ng/ml) bei 1,63. Das Risiko war demnach um 44 beziehungsweise 63 % erhöht. Im 3. Trimester wirkten sich sowohl ein moderater als auch ein schwerer Vitamin-D-Mangel zudem auf die sekundären Endpunkte, also auch auf den Schweregrad der Karies, negativ aus.
Manche Angaben zu potenziellen Störfaktoren fehlen in der Studie
Bei ihrer Analyse berücksichtigten die Forscher um Yu mehrere mögliche Störfaktoren, zum Beispiel den sozioökonomischen Status der Mutter. Angaben zu einigen anderen Faktoren, die zur Verzerrung der Ergebnisse ebenfalls hätten beitragen können, fehlten den Medizinern jedoch: etwa die kindliche Vitamin-D-Aufnahme, die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta, die Zuckeraufnahme und die Anamnese zur Karies in der Familie. Zudem lagen nicht von allen Müttern die 25(OH)D-Werte aus 3 Trimestern vor, und die zahnärztlichen Untersuchungen der Kinder waren nur unregelmäßig erfolgt.
Dennoch ziehen Yu und seine Kollegen aus ihren Resultaten eindeutige Schlüsse: „In dieser Kohortenstudie standen die 25(OH)D-Spiegel der Mütter während der Schwangerschaft in umgekehrtem Zusammenhang mit dem Risiko für ECCs bei den Kindern“, schreiben sie im Fazit ihrer Studie. „Diese Ergebnisse untermauern den potenziellen Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung vor oder während der Schwangerschaft, um das Risiko und den Schweregrad von Zahnkaries im Kindesalter zu verringern.“
Nach ihrem Wissen handele es sich um die erste groß angelegte prospektive Kohortenstudie in China, die die 25(OH)D-Spiegel über alle Trimester hinweg gemessen habe und konsistente Assoziationen zwischen höheren Vitamin-D-Spiegeln der Mütter und einer verringerten Wahrscheinlichkeit von Karies bei den Nachkommen zeige.
Supplementierung sollte möglichst früh in der Schwangerschaft starten
Trotz weltweiter Empfehlungen, den 25(OH)D-Spiegel bei Schwangeren über 30 ng/ml zu halten, sei ein Vitamin-D-Mangel nach wie vor weit verbreitet, schreiben Yu und seine Kollegen. Es sei somit von großer Bedeutung, die Rolle des Vitamin-D-Status der Mutter während der Schwangerschaft für die Zahngesundheit des Kindes zu verstehen, den Vitamin-D-Spiegel der Mutter zu überprüfen und gegebenenfalls durch eine entsprechende Supplementierung zu erhöhen.
Um den maximalen Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung zu erzielen, müsse diese möglichst schon vor oder zumindest früh in der Schwangerschaft eingeleitet werden, ergänzen die Forscher: Studien hätten gezeigt, dass der Vitamin-D-Spiegel erst 3 Monate nach Beginn der Supplementierung ein Plateau erreiche.
Dieser Beitrag ist im Original bei Medscape.com erschienen.