Um die Gesundheit von Mutter und Kind zu gewährleisten empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) allen Schwangeren Folsäure (mindestens 4 Wochen vor der Schwangerschaft und durchgehend im ersten Trimenon 400 µg/d, 800 µg/d bei Beginn kurz vor oder nach der Konzeption) und Jod (100 – bis 150 µg/d) zu supplementieren.
In einer Querschnittsstudie untersuchten Alexandra Hett und Prof. Dr. Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck jetzt, über welche Quellen sich Schwangere in Deutschland über Ernährung informieren und inwieweit sie den geltenden Empfehlungen des bundesweiten Netzwerks „Gesund ins Leben“ und der DGE folgen.
Es nahmen 3.363 Schwangere ab der sechsten Gestationswoche teil, von den 52,38 % eine akademische Ausbildung hatten. Dieser Anteil war damit höher als in der Allgemeinbevölkerung. In Bezug auf Alter, BMI und Einkommen spiegelten die Teilnehmenden die deutsche Durchschnittspopulation an Schwangeren wider. Alle Frauen füllten einen Online-Fragebogen zu den Quellen und Inhalten der Informationen und der Ernährung einschließlich Supplementen in der Schwangerschaft aus.
81 % der Befragten gaben an, in der Schwangerschaft vermehrt auf eine gesunde Ernährung zu achten und 68 % hatten ihre Ernährungsgewohnheiten in der Schwangerschaft geändert. Knapp 83 % hatten nur begrenzte oder gar keine Ernährungsberatung durch medizinisches Fachpersonal erhalten, wenn dann überwiegend durch Gynäkologen und Hebammen. 77,7 % hatten ihre Informationen zur Ernährung aus dem Internet (Google), gefolgt von Büchern und Broschüren (ca. 54 %).
Zwar nahmen 89 % zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel ein, die Supplementation entsprach aber oft nicht den Empfehlungen. 88 % supplementierten Folsäure, aber etwa 40 % in unzureichender Dosierung oder zum falschen Zeitpunkt. Noch schlechter sah es beim Jod aus: Nur knapp 39 % der befragten Schwangeren nahmen Jod in der empfohlenen Dosierung – knapp 34 % nahmen gar kein Jod ein.
Auch Fehlinformationen zur Ernährung waren weitverbreitet. So verzichteten z.B. 31 % der Schwangeren komplett auf Kaffee, 28 % auf schwarzen Tee und 19 % auf Zucker – ohne dass es dafür eine medizinische Notwendigkeit gibt.
Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass die Beratung von Schwangeren zu Ernährungsfragen offensichtlich erhebliche Lücken aufweist, insbesondere, wenn die Frauen nicht aktiv danach fragen. Wünschenswert wäre eine standardisierte Ernährungsberatung, die fest in der regulären pränatalen Versorgung verankert ist, so die Autoren.