Die für die Warnungen zur MHT ausschlaggebende WHI-Studie (1993-2005) wurde durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA neu bewertet. Damals waren Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren (Durchschnitt 63 Jahre) untersucht worden. Die WHI-Studie hat allerdings methodische Einschränkungen, die nun neu eingeordnet wurden: Viele Teilnehmerinnen befanden sich bereits länger in der Postmenopause und wiesen kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. Diese Population unterscheidet sich deutlich von Frauen in der frühen Menopause. Die FDA weist nun darauf hin, dass die damaligen Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf jüngere Patientinnen übertragbar sind.
Die FDA beantragt die Anpassung bzw. Entfernung pauschaler Warnungen, sofern diese Risiken unabhängig von Alter, Applikationsform und Therapiebeginn verallgemeinern. Auch die starre Empfehlung einer Anwendung in „niedrigster Dosis für kürzeste Dauer“ soll durch eine individualisierte Beurteilung ersetzt werden. Maßgeblich sind Symptomlast, Risikoprofil und Präferenz der Patientin.
Daten zeigen, dass ein Beginn der MHT vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach Menopause mit einem günstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnis assoziiert ist. In dieser Phase überwiegen bei geeigneter Indikationsstellung häufig die positiven Effekte auf vasomotorische Symptome, Knochendichte und möglicherweise kardiovaskuläre Parameter.
Etwa ein Drittel der Frauen zwischen 45 und 65 Jahren berichtet über moderate bis schwere vasomotorische menopause-assoziierter Symptome. Trotz wirksamer Therapieoptionen wurde MHT in den vergangenen Jahren zurückhaltend verordnet. Die Neubewertung soll zu einer differenzierten Aufklärung beitragen. Für niedrig dosierte vaginale Östrogenpräparate mit minimaler systemischer Resorption werden Warnhinweise reduziert.
Für die hausärztliche und gynäkologische Praxis bedeutet dies eine individualisierte Beratung. Kontraindikationen wie Mammakarzinom oder thromboembolische Ereignisse müssen berücksichtigt werden. Bei geeigneter Patientinnenselektion stellt die MHT eine wirksame Option zur Behandlung menopausaler Beschwerden dar.