Ozempic-indizierte Schwangerschaften
Vielen Patientinnen ist nicht bewusst, dass GLP-1-Rezeptoragonisten die Fruchtbarkeit steigern können. Darauf weist Dr. Katharina Laubner, Sprecherin der AG Diabetes & Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), in einer gemeinsamen Pressekonferenz von DDG und Deutscher Gesellschaft für Endokrinologie hin. Der Mechanismus liegt in der verbesserten Insulinsensitivität: „Durch die Gewichtsabnahme werden Frauen fertiler, erleben mehr ovulatorische Zyklen – viele berichten: ‚Ich bin unter Ozempic schwanger geworden‘“, erklärt die Freiburger Endokrinologin.
Vor allem bei Patientinnen mit PCOS oder adipositasbedingten Zyklusstörungen kann die Fruchtbarkeit plötzlich zurückkehren – mit der Folge einer unerwarteten Schwangerschaft unter laufender GLP-1-Therapie. Das Thema findet zunehmend mediale Beachtung. In sozialen Netzwerken kursiert bereits der Begriff „Ozempic-Babys“.
Hinweise auf Entwarnung
Die wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit von Semaglutid in der Schwangerschaft ist bislang begrenzt, aber nicht gänzlich unklar. Zwei im vergangenen Jahr publizierte Registerstudien mit insgesamt etwa 1000 Schwangerschaften unter GLP-1-Analoga zeigten keine erhöhte Fehlbildungsrate, sofern die Einnahme auf das erste Trimenon beschränkt war.1,2 „Es traten keine erhöhten Fehlbildungsraten auf, wenn Frauen oder Kinder im ersten Trimenon exponiert waren“, so Laubner.
Zudem sei aufgrund der hohen Molekülmasse der plazentare Übergang dieser Substanzen sehr gering. Diese Erkenntnisse lassen auf ein geringes Risiko für Fehlbildungen bei versehentlicher früher Exposition schließen – ein vorsichtiger Anlass zur Entwarnung.
Bestehende Wissenslücken
Für die mittlere und späte Schwangerschaft fehlen jedoch belastbare Daten. Weder Effekte auf das intrauterine Wachstum noch potenzielle langfristige metabolische Risiken beim Kind sind bisher ausreichend untersucht. Tierexperimentelle Studien deuten auf mögliche Wachstumsverzögerungen bei längerer Exposition hin.
Kommt es zu einer ungeplanten Schwangerschaft unter laufender Ozempic-Therapie, sollte die Aufklärung sachlich und einfühlsam erfolgen. Ein abruptes Absetzen wird nicht empfohlen. „Ein plötzliches Absetzen kann zu exzessiver Gewichtszunahme führen – in der Schwangerschaft ein erheblicher Risikofaktor“, warnt Laubner. Die Gewichtszunahme kann zu LGA-Neugeborenen (Large for Gestational Age) mit entsprechender metabolischer Belastung führen. Daher wird empfohlen, die Medikation ausschleichend zu beenden.
Verhütung und medikamentöse Wechselwirkungen
„Wenn Frauen unter Inkretin-Mimetika eine Schwangerschaft planen, sollten sie die Therapie rechtzeitig pausieren“, so Laubner. Immer wieder wird spekuliert, ob die GLP-1-vermittelte verzögerte Magenentleerung die Wirkung oraler Kontrazeptiva beeinträchtigen könnte. Auch treten in der Anfangsphase der Therapie häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen auf. Laut Laubner gibt es bislang jedoch keine klinisch relevanten Hinweise auf eine verminderte Wirksamkeit der Antibabypille: „Ein verzögerter Wirkspiegel ist denkbar, scheint aber klinisch nicht relevant. Entscheidend ist die Gewichtsabnahme, die zur Schwangerschaft führt. “Umso wichtiger ist eine fundierte Aufklärung über diese Zusammenhänge. Frauen unter GLP-1-Therapie sollten trotzdem, sicherheitshalber, vermehrt auf eine zuverlässige Verhütung achten – etwa mittels Hormonspirale.
Aufklärung bleibt entscheidend
Die Diskussion um sogenannte „Ozempic-Babys“ sollte nicht überbewertet werden. Die vorliegenden Daten sind insgesamt beruhigend. Dennoch erfordert der Einsatz von GLP-1-Analoga bei Frauen im gebärfähigen Alter einen umsichtigen, gut informierten Umgang. Bis weitere Studienergebnisse vorliegen, bleibt die patientennahe Aufklärung die wirksamste Form der Prävention, so das Fazit der Endokrinologin Laubner.