In der Pilotstudie wurde untersucht, ob eine ketogene Ernährung einen positiven Einfluss auf Depressionen nehmen könnte. Obwohl die Studienpopulation sehr gering war, zeigten sich vielversprechende Ergebnisse, die als weitere Forschungsansätze genutzt werden könnten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift
Translational Psychiatry publiziert.
Keto-Diät und Depression: Zentrale Ergebnisse
Eine ketogene Ernährung in Verbindung mit Medikamenten und/oder Psychotherapie führte zu einer fast 70 %igen Verringerung der Symptome einer schweren depressiven Störung (major depressive disorder, MDD), wie eine kleine Pilotstudie zeigte.
Nach 10 bis 12 Wochen ketogener Ernährung stellten die Forschenden anhand von Selbstauskünften von Studentinnen und Studenten und klinischen Bewertungen fest, dass sich die depressiven Symptome deutlich verbessert hatten.
Die Teilnehmenden schnitten auch bei kognitiven Tests, die das episodische Gedächtnis, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die exekutiven Funktionen maßen, besser ab.
Stoffwechselgesundheit in die Behandlung einbeziehen
Die Autorinnen und Autoren der Pilotstudie mahnen zwar zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse angesichts des kleinen Designs und der Kohorte im College-Alter, bezeichnen die Ergebnisse der Proof-of-Concept-Studie jedoch als ermutigend.
„Alle Teilnehmenden konnten ihre Depressionswerte verbessern. Dies zeigt, dass eine ketogene Ernährung machbar ist, dass sie keine negativen Auswirkungen auf Betroffene hat und dass wir durch die Ergänzung der Standardbehandlung möglicherweise Verbesserungen erzielen können“, erklärte der Hauptautor Drew Decker, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ohio State University in Columbus, Ohio, gegenüber Medscape Medical News.
MDD betrifft schätzungsweise 8 % der Erwachsenen und etwa ein Drittel der Studierenden im College-Alter in den USA. Während die Behandlung von Depressionen in der Regel auf Gesprächstherapie oder Psychopharmaka basiert, stellte das Forschungsteam fest, dass diese Interventionen die metabolischen Faktoren, die zur Depression beitragen, nicht berücksichtigen, obwohl es immer mehr Hinweise darauf gibt, dass eine schlechte Stoffwechselgesundheit mit einem höheren Risiko für Angstzustände und Depressionen verbunden ist.
Kognitive Verbesserungen und Gewichtsverlust
Basierend auf Blutketonmessungen wurde in 73 % der Fälle eine Ketose erreicht. Am Ende der Diätphase sanken die selbst berichteten Symptome einer Depression um 69 % (p < 0,001) und die klinischen Bewertungen der Depression um 71 % (p < 0,001).
In Woche 2 berichteten die Studierenden von einer Verdopplung ihres Wohlbefindens, das sich bis zum Ende der Studienphase verdreifachte. Mit einer Ausnahme verloren alle Teilnehmenden an Gewicht, wobei der durchschnittliche Gewichtsverlust ~ 5 kg betrug. Bemerkenswert war ein Anstieg des neutrophen Faktors (brain-derived neurotrophic factor, BDNF) um 32 %, was „ein potenzieller neurobiologischer Mechanismus sein könnte, der einer antidepressiven Wirkung zugrunde liegt“, so das Forschungsteam.
Die Autorinnen und Autoren stellten außerdem nach der Ernährungsumstellung signifikante Verbesserungen bei den Werten für episodisches Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen fest. Die Studierenden verbesserten sich im auditiv-verbalen Lerntest (10 %; p = 0,032) und konnten sich in 3 Versuchen an mehr Wörter erinnern. Außerdem zeigten sie eine verbesserte Verarbeitungsgeschwindigkeit im mündlichen Symbol-Ziffern-Test (5 %; p = 0,046) und im Mustervergleichstest (4 %; p = 0,021).
Regressionsanalysen ergaben keine signifikante Korrelation zwischen Gewichtsverlust und Depressionswerten unabhängig von der Ketose, was bedeutet, dass die Symptomverbesserungen wahrscheinlich nicht nur auf den Gewichtsverlust zurückzuführen waren. Decker betonte jedoch, dass der Umfang dieser Studie keine endgültige Schlussfolgerung zulasse, dass die Verbesserungen auf Ketose zurückzuführen seien.
Weitere Forschung erforderlich
Obwohl die zugrunde liegenden Mechanismen außerhalb des Umfangs der Studie lagen, könnten mögliche Gründe für die beobachteten Vorteile einer ketogenen Ernährung eine erhöhte Energieversorgung des Gehirns oder ein erhöhter BDNF-Spiegel sein, so Decker. Der nächste Schritt wäre eine randomisierte kontrollierte Studie mit mehreren Ernährungsgruppen, sagte er.
„Wir haben diese Mechanismen hier nicht herausgearbeitet, da es sich um eine Proof-of-Concept-Studie für eine Zusatztherapie handelt“, sagte der leitende Forscher Jeff Volek, Ph.D. und Professor für Humanwissenschaften an der Ohio State University, in einer Pressemitteilung. „Dies ist eine der ersten wirklich gut kontrollierten Studien, und sie hat zwar ihre Grenzen, aber die Ergebnisse ermutigen uns, weiter daran zu arbeiten.“
Limitationen
Die Studie war durch die geringe Stichprobengröße, das einarmige Design, das Fehlen einer Kontrollgruppe und die hohe Ausfallquote eingeschränkt, erklärte Dr. Uma Naidoo, Ernährungspsychiaterin und Direktorin für Ernährungs- und Lebensstilpsychiatrie am Massachusetts General Hospital in Boston gegenüber Medscape Medical News.
„Eine Verzerrung der Auswahl ist möglich, da sich die Teilnehmenden freiwillig für die Ernährungsintervention gemeldet haben und möglicherweise nicht repräsentativ für die breitere Population von Menschen mit MDD sind. Außerdem war die Arbeit auf Studierende beschränkt, was die externe Validität einschränkt“, sagte Dr. Naidoo, die nicht an der Studie beteiligt war.
Obwohl die Studie einige positive vorläufige Ergebnisse zeigte, mahnte Dr. Naidoo zur Vorsicht. „Wir wollen bei Ernährungsinterventionen sehr vorsichtig sein und sicherstellen, dass die Person stabil genug ist, um sie zu tolerieren.“