Das kolorektale Karzinom (KRK) gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen und ist eng mit beeinflussbaren Lebensstilfaktoren verknüpft. Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) haben ein erhöhtes Risiko, an KRK zu erkranken. Körperliche Aktivität gilt als protektiver Faktor, doch ihr Einfluss in Verbindung mit genetischer Veranlagung ist bislang wenig untersucht. Ein chinesisches Forschungsteam analysierte auf Basis von UK-Biobank-Daten den Zusammenhang zwischen Aktivitätsniveau und KRK-Inzidenz bei Menschen mit T2D unter Berücksichtigung des polygenen Risikoscores (PRS).
Bedeutung körperlicher Aktivität für die Senkung des KRK-Risikos
Die Analyse britischer Gesundheitsdaten wurde von einem chinesischen Forschungsteam vorgenommen und lieferte Hinweise darauf, dass mäßige bis hohe körperliche Aktivität mit einem reduzierten Risiko für kolorektale Karzinome bei Menschen mit Typ-2-Diabetes assoziiert ist (Hazard Ratio [HR]: 0,81; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,66–0,98) im Vergleich zu Personen mit niedriger körperlicher Aktivität (HR: 0,74; 95 %-KI: 0,58–0,94).
Eine mögliche Erklärung für den schützenden Effekt von Bewegung ist ihr Einfluss auf verschiedene biologische Prozesse. Körperliche Aktivität kann Entzündungen verringern, die Insulinempfindlichkeit verbessern und den Stoffwechsel anregen. Diese Faktoren könnten dazu beitragen, das Wachstum von Krebszellen zu bremsen oder zu verhindern.
Bewegung schützt besonders bei hohem genetischem Risiko
Die Kohortenstudie deutete insbesondere beim rechtsseitigen Kolonkarzinom und bei Menschen mit hohem genetischem Risiko auf einen Zusammenhang hin. So betrug die Risikoreduktion beim rechtsseitigen Kolonkarzinom bei mäßiger KA 31 % (HR: 0,69; 95 %-KI: 0,51–0,93) und 42 % (HR 0,58; 95 %-KI: 0,40–0,85) bei hoher KA im Vergleich zu geringer KA. Ein hohes Aktivitätsniveau senkte das KRK-Risiko besonders bei Personen mit hoher genetischer Prädisposition (HR: 0,54; 95 %-KI: 0,35–0,84). Die niedrigste KRK-Erkrankungsrate wurde bei jenen Teilnehmenden beobachtet, die sowohl ein niedriges genetisches Risiko als auch eine hohe KA aufwiesen (HR: 0,23; 95 %-KI: 0,12–0,41). Ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von kA und dem Auftreten eines Rektalkarzinoms ließ sich hingegen nicht feststellen.
Der protektive Effekt körperlicher Aktivität auf das KRK-Risiko bestand dabei unabhängig von der genetischen Veranlagung. Bewegung war also mit einer Risikosenkung assoziiert, unabhängig davon, ob das genetische Risiko gering, moderat oder hoch ausgeprägt war.
Limitationen der Studie
Die Limitationen dieser Studie sahen die Autorinnen und Autoren hauptsächlich im beobachtenden Design, der Datenerhebung durch Selbstauskunft und der eingeschränkten Generalisierbarkeit der Ergebnisse.
- Da es sich um eine nicht-randomisierte, beobachtende Studie handelt, können keine kausalen Zusammenhänge abgeleitet werden. Die Ergebnisse zeigen lediglich statistische Assoziationen zwischen den untersuchten Faktoren.
- Die Erfassung der Daten zur körperlichen Aktivität beruhte auf Selbstauskünften mittels Fragebogen, wodurch Verzerrungen durch Fehleinschätzungen oder sozial erwünschte Antworten möglich sind.
- Die UK-Biobank umfasst überwiegend Personen mit weißer Hautfarbe und europäischem Ursprung, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
- Trotz Adjustierung für zahlreiche Einflussfaktoren können nicht erfasste Störgrößen das Ergebnis verzerren.
- Gesundheitliche Beeinträchtigungen könnten zu einer verminderten körperlichen Aktivität geführt haben – ein möglicher Einfluss, der selbst durch Sensitivitätsanalysen nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Fazit
Die Ergebnisse unterstreichen den Forschenden zufolge das präventive Potenzial moderater bis hoher körperlicher Aktivität für Menschen mit Typ-2-Diabetes, da sie unabhängig von der genetischen Veranlagung zur Senkung des Risikos für kolorektale Karzinome beitragen kann. Kombinierte Ansätze aus Lebensstilintervention und genetischer Risikostratifizierung könnten in Zukunft als Grundlage für personalisierte Präventionsstrategien dienen und für Patientinnen und Patienten von großem Nutzen sein.