Darmkrebs bei Menschen unter 50 Jahren (EOCRC) nimmt weltweit zu. Die Diagnose erfolgt häufig erst in fortgeschrittenen Stadien, obwohl eine frühzeitige Erkennung die Prognose deutlich verbessern könnte. Trotz angepasster Screening-Empfehlungen bleibt die Teilnahme in jüngeren Altersgruppen gering. Eine blutbasierte, nicht-invasive Methode könnte die Akzeptanz erhöhen. Vor diesem Hintergrund evaluierte die ENCODER-Studie (Early Onset Colorectal Cancer Detection) innovative Biomarkerstrategien zur frühen Detektion. Die Ergebnisse dieser Studie erschienen kürzlich im
Journal Gastroenterology.
1Die ENCODER-Studie untersuchte, ob zellfreie und exosomale MikroRNA-Biomarker im Blut, die in großen internationalen Kohorten identifiziert und validiert wurden, die Basis für einen hochsensitiven, nicht-invasiven Test zur Erkennung von EOCRC bilden können.
Der ENCODER-Bluttest erreichte eine hohe diagnostische Genauigkeit. So lag die AUROC bei 97,5 % im Trainingsdatensatz und 95,6 % in der unabhängigen externen Validierung. Mit einer Spezifität von 87,5 % (95 %-Konfidenzintervall [KI]: 79.4 %–92.7 %) zeigte der Test zudem eine vergleichsweise geringe Rate falsch-positiver Befunde.
Besonders hohe Sensitivität in frühen Stadien und bei sehr jungen Betroffenen
In den klinisch relevanten Tumorstadien I–III betrug die Sensitivität insgesamt 97,3 % (95 %-KI: 90.6 %–99.3 %), wodurch frühe Krankheitsstadien zuverlässig erkannt wurden. Auch bei 20- bis 35-Jährigen blieb die diagnostische Leistung mit einer AUROC von 98,5 % sehr hoch.
Erkennung prämaligner Läsionen
Der Test identifizierte zudem High-Grade-Dysplasien mit einer Sensitivität von 61,5 % (95 %-KI: 35,5 %–82,3 %), was auf ein mögliches Potenzial zur Erkennung fortgeschrittener Vorstufen des Karzinoms und zur Risikostratifizierung hinweist.
Hinweise auf Tumorspezifität und breite Anwendbarkeit
In einer Subkohorte sanken die MikroRNA-Werte nach der Operation deutlich ab. Das spricht dafür, dass die Marker mit dem Tumor zusammenhängen und sich möglicherweise zur Verlaufskontrolle eignen. Die 6-MikroRNA-Signatur zeigte die beste Testleistung bei Personen unter 50 Jahren und erwies sich in den untersuchten ethnischen Gruppen als stabil.
Nach Einschätzung der Forschenden zeigt die ENCODER-Studie, dass blutbasierte MikroRNA-Biomarker frühe Formen des kolorektalen Karzinoms bei jungen Erwachsenen mit hoher Genauigkeit erfassen können. Besonders in therapeutisch relevanten Frühstadien spiegeln die Marker tumorassoziierte Prozesse zuverlässig wider. Der Rückgang der Werte nach Tumorentfernung spricht zudem für eine tumorspezifische Signalgebung und ein mögliches Potenzial in der Nachsorge.
Für die Praxis deutet dies darauf hin, dass blutbasierte Tests künftig eine weniger invasive Ergänzung bestehender Screening-Strategien darstellen und die Früherkennung bei jüngeren Erwachsenen erleichtern könnten. Eine breite Anwendung erfordert jedoch weitere Validierung in unterschiedlichen Populationen.