Ausgewertet wurden die Daten von etwa einer halben Million Mädchen, die in den Jahren 1989 bis 2006 geboren wurden. Davon erkrankten im Jugendalter knapp 4.000 an einer Essstörung: 2.131 an einer Anorexia nervosa (Durchschnittsalter 15,2 Jahre), 711 an Bulimia nervosa (Durchschnittsalter 17,9) und 1.398 an einer nicht weiter spezifizierten Essstörung (EDNOS, Durchschnittsalter 15,6).
Mädchen, die wegen einer schweren Infektion im Krankenhaus behandelt worden waren, entwickelten zu 22 % häufiger als andere eine Essstörung (HR 1,22). Das Risiko für eine Bulimie war in dieser Gruppe um 35 % und das Risiko für eine EDNOS um 39 % erhöht. Auch Infektionen, die mit antiinfektiösen Medikamenten (in der Regel Antibiotika) behandelt worden waren, waren mit einer erhöhten Rate an Essstörungen assoziiert (23% mehr Anorexia nervosa, 63 % mehr Bulimie und 49 % mehr EDNOS).
Die Assoziationen waren in den ersten 3 Monaten nach der Infektion am höchsten. Für die Anorexie wurde eine Hazard Ratio von 2,72 und für EDNOS von 3,85 ermittelt. Es gab zudem eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zu der Zahl der infektionsbedingten Krankenhausaufenthalte und der Zahl der eingesetzten Antiinfektiva.
Die Dosis-Wirkungsbeziehung und die zeitliche Nähe zu den Infektionen sprechen zwar für einen möglichen kausalen Zusammenhang – bewiesen ist das aber nicht, schreiben die Autoren. Möglich wäre z.B. auch, dass Menschen, die zu Essstörungen neigen, aus anderen Gründen auch eine erhöhte Neigung zu Infektionen aufweisen.
Dieser Beitrag wurde erstmals am 21.05.2019 veröffentlicht.