Eine ungewöhnliche Proteinstruktur mit Potenzial
Kollagen kann große Mengen an Wasser binden, weil seine regelmäßig angeordneten Aminosäuren ein feines Netzwerk bilden, das Wasser elektrostatisch anzieht und bindet. Diese besondere Struktur lässt das Protein wie ein Schwamm aufquellen. Für die Gewichtsregulation ist das interessant: Im Magen nimmt gequollenes Kollagen viel Raum ein und scheint Gefühle der Sättigung auszulösen, ähnlich wie Ballaststoffe.
Diese Hypothesen haben
Paola Mogna-Peláez vom Ernährungsforschungszentrum der Universität Navarra in Pamplona und Kollegen jetzt untersucht. „Wir wollten herausfinden, ob Kollagen eine günstige und sichere Alternative zum Abnehmen sein könnte“, so Mogna-Peláez. Viele zugelassene Präparate seien sehr teuer und hätten zahlreiche Nebenwirkungen.
So lief die Studie ab
Das Forscherteam nutzte ein modifiziertes Rinderkollagen mit besonders großer Kapazität, Wasser zu binden. Unter den sauren Bedingungen des Magens vergrößerte sich das Volumen des Testpräparats auf das bis zu 20-Fache.
64 übergewichtige oder adipöse Erwachsene nahmen 3 Monate lang an der Studie teil. Die Hälfte erhielt 2-mal täglich – 45 Minuten vor dem Mittag- und Abendessen – einen Schokoladenriegel mit 10 g Kollagen und einem Glas Wasser (250 ml). Die andere Hälfte bekam Placebo-Riegel ohne Kollagen und Wasser. Beide Gruppen erhielten darüber hinaus identische Informationen, um den Lebensstil zu verbessern.
Leicht höherer Gewichtsverlust im Kollagen-Arm
Nach 3 Monaten fanden die Wissenschaftler mehrere Unterschiede: Teilnehmer der Kollagen-Gruppe verloren durchschnittlich 3 kg (3,36% des Körpergewichts). In der Kontrollgruppe waren es nur 2 kg (1,80%) weniger als zu Studienbeginn. Darüber hinaus verringerten sich in der Kollagen-Gruppe der Blutdruck, der Taillenumfang und der hepatische Fettgehalt etwas stärker als in der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Effekt auf weniger Hunger beruhen könnte.
Hormonelle Hinweise auf Sättigung
In einer begleitenden tierexperimentellen Studie beobachteten die Forscher bei Ratten, dass 5 Stunden nach der Einnahme von Kollagen die Konzentration des Hormons Ghrelin – auch als „Hungerhormon“ bekannt – deutlich niedriger war als bei Kontrollen.
„Ein frühzeitiges Sättigungsgefühl gilt als vielversprechende Strategie, um Appetit und Kalorienaufnahme bei übergewichtigen Menschen zu verringern“, schreiben die Autoren. „Besonders interessant sind dabei faserähnliche Moleküle, die durch Wasseraufnahme im Magen aufquellen können.“
Offene Fragen und nächste Schritte
Noch ist unklar, ob der beobachtete Gewichtsverlust tatsächlich auf die Appetitzügelung zurückzuführen ist oder auf andere Mechanismen, etwa Veränderungen der Darmflora oder bioaktive Peptide, die beim Abbau des Kollagens entstehen.
„Wir müssen besser verstehen, wie Kollagen im Körper wirkt“, betont Mogna-Peláez. „Aber die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend – vor allem, weil es sich um eine sichere, natürliche Substanz handelt, die vielen Menschen bereits kennen.“
Fazit: Eine neue Strategie zur Gewichtsabnahme?
Die Studie aus Navarra liefert erste Hinweise darauf, dass modifiziertes Kollagen beim Abnehmen helfen könnte – vermutlich, weil es das Sättigungsgefühl verstärkt. Ob sich dieser Effekt in größeren und langfristigen Untersuchungen bestätigt, ist allerdings noch unklar. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit und des vergleichsweise niedrigen Preises gilt Kollagen dennoch als vielversprechender Kandidat für weitere Untersuchungen.
Der Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.