Bisher ist man davon ausgegangen, dass die wöchentliche Anwendung von GLP-1-Agonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid dauerhaft fortgesetzt werden muss, um den erreichten Gewichtsverlust und die Verbesserung des metabolischen Profils aufrechtzuerhalten. Nach dem abrupten Absetzen der Medikamente stieg das Körpergewicht bei den meisten Menschen rasch wieder an.
An einer Adipositas-Klinik in San Diego, USA, haben
Michelle Wong und ihr Team jetzt gute Erfahrungen mit einer Deeskalation mit Verlängerung der Dosisintervalle gemacht. Damit kommt man dem häufig geäußerten Patientenwunsch entgegen, die Therapie nach Erreichen eines Plateaus nicht lebenslang fortzusetzen oder zumindest die Anzahl der nicht ganz billigen und selbst zu bezahlenden Injektionen zu reduzieren. Einige dieser Patienten und Patientinnen hatten von sich aus das Dosisintervall verlängert, indem sie jede zweite wöchentliche Injektion ausließen. Damit hatten sie nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gemacht.
Die retrospektive Fallserie konnte dies jetzt bestätigen. Initial war 38 Personen die nach durchschnittlich 36,3 Wochen unter GLP-1-Agonisten ein Plateau ohne weitere Gewichtsabnahme erreicht hatten, eine Verlängerung des Dosisintervalls empfohlen worden. Das Körpergewicht der Teilnehmenden war bereits von im Mittel 87,9 kg auf 74,1 kg gefallen und hatte sich über mehrere Wochen nicht verändert.
Vier Personen nahmen dann doch wieder Abstand von der Dosisdeeskalation und weitere vier wechselten nach einer Gewichtszunahme wieder zu wöchentlichen Injektionen. Somit gingen 30 Personen (17 Männer, 13 Frauen) in die Analyse ein. Das Durchschnittsalter lag bei 58 Jahren, der mittlere Body-Mass-Index (BMI) bei 30 kg/m2. 21 wandten Tirzepatid und neun Semaglutid an.
Sechs Teilnehmende injizierten sich Semaglutid oder Tirzepatid alle 10–14 Tage, 17 ließen jede 2. Injektion weg and sieben erprobten noch längere Dosierungsintervalle von bis zu sechs Wochen. Die Strategie erwies sich als erfolgreich: Im Beobachtungszeitraum von 36 Wochen konnten sie die erreichte Gewichtsabnahme trotz Dosisdeeskalation halten und nahmen im Mittel sogar noch etwas ab (auf im Mittel 72,4 kg). Auch der Rückgang des Körperfettanteils, der Körperfettmasse und der Rumpffettmasse blieb erhalten. Bei der Skelettmuskulatur, die unter der Behandlung mit dem GLP-1-Agonisten zurückgegangen war, kam es sogar zu einer leichten Erholung. Auch die unter der wöchentlich verabreichten Adipositastherapie erreichte Besserung der Komponenten des metabolischen Syndroms bestand trotz verlängerter Injektionsabstände fort. Dies galt für den HbA1c-Wert, Triglyzeride, HDL-Cholesterin und den Blutdruck.
GLP-1-Agonisten sind eine sehr effektive Therapie zur Gewichtsabnahme bei Adipositas – die Anwendung ist aber durch hohe Kosten, fehlende Übernahme durch die Krankenkasse, und mangelnden Zugang eingeschränkt. Auch die Aussicht auf eine lebenslange Therapie kann abschreckend wirken. Die Dosisdeeskalation mit Aussicht auf eine Verlängerung der Injektionsabstände im Verlauf könnte somit ein Weg sein, die Akzeptanz zu zu erhöhen.
Das Autorenteam betont, dass anders als in anderen Studien mit der Dosisdeeskalation erst begonnen wurde, nachdem die Menschen nach anfangs erfolgreicher Gewichtsabnahme unter der Therapie nicht mehr weiter abnahmen. Als Limitation geben sie an, dass es sich nicht um eine randomisierte Studie handelte und die Personen durch Aussicht auf weniger Injektionen besonders motiviert gewesen sein könnten, Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen zu folgen.