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Vom „Pschyrembel“ zum Chatbot
Dass Patientinnen und Patienten sich vor dem Arztbesuch informieren, ist an sich kein neues Phänomen – lediglich die Informationsquelle hat sich gewandelt. Ein coliquio-Mitglied blickt zurück und zieht einen treffenden Vergleich:
Vor über 30 Jahren war es der Pschyrembel. [...] Heute ist es die KI. Es ist andererseits auch manchmal ganz gut, wenn Patienten etwas informiert sind, das erspart oft den großen Rundumschlag in der Erklärung, was geht.
coliquio-Mitglied, Zahnmedizin
Manche Kolleginnen und Kollegen sehen diese Entwicklung als Chance für den gemeinsamen Dialog. Ein weiteres Mitglied betont, dass sich durch die KI-Vorabinformation der Patienten die Qualität der Gespräche deutlich verbessern kann:
Ich finde das gut und mir macht das Spaß, ich kann auf einem ganz anderen Niveau mit den Patienten reden und brauche oft weniger Überzeugungsarbeit – vorausgesetzt natürlich, die Pat. haben verstanden, was Ihnen die KI ‚gesagt‘ hat.
coliquio-Mitglied, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Wenn eigenes Vorwissen lebenswichtig wird
Doch die eigene Recherche dient nicht nur dem besseren Verständnis, sie kann im Ernstfall entscheidend für die Behandlungssicherheit sein. Wie schnell es gefährlich werden kann, wenn man sich als Patient blind verlässt, schildert ein coliquio-Mitglied, der seine eigenen Erfahrungen als Patient teilt.
Er berichtet von einem unzureichenden Check-up bei einem Kardiologen, der retrospektiv zu einem Schlaganfall führte. Erst auf eigene Initiative in einer guten Kardiologie konnte durch das Setzen eines Stents ein Infarkt verhindert werden.
Die Janusköpfigkeit der KI
Trotz der praktischen Vorteile, die vorinformierte Patienten mit sich bringen können, mahnen Experten zur Vorsicht bei der unkritischen Nutzung medizinischer KI-Tools. Ein coliquio-Mitglied verweist nachdrücklich auf die Risiken und die Notwendigkeit ärztlicher Weiterbildung auf diesem Gebiet. Um in Zukunft sichere Diagnosen stellen und Patienten vernünftig aufklären zu können, sieht der Kollege die Ärzteschaft in der Pflicht:
Die KollegInnen [...] benötigen eine evidenzbasierte, umfängliche, transparente und interessenfreie Information mit Anleitung zum critical Appraisal von Studien und die Kenntnis über den Datenthesaurus und die Bewertungsalgorithmen der angewandten KI.
coliquio-Mitglied, Innere Medizin
Diskutieren Sie mit: DGIM Frühjahrssymposium 2026
Genau die von der Community angesprochene „Janusköpfigkeit“ und der Wandel in der Kommunikation sind ein zentrales Thema auf dem anstehenden 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Die Korporativen Mitglieder der DGIM laden zu einem aktuellen Symposium ein, um der Frage nachzugehen, wie sich das Ideal der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making, kurz SDM) in einer Zeit behaupten kann, in der Informationen im Überfluss vorhanden sind, aber echte Orientierung oft fehlt.
Die Realität ist: Patienten bringen heute oft schon eine digital generierte „Vor-Diagnose“ mit in die Sprechstunde. Zwischen ärztlicher Expertise und Spezialbehandlung stehen nun als dritter Akteur Algorithmen von Google und Sprachmodelle von ChatGPT im Raum. Das Symposium beleuchtet, wie Technik so genutzt werden kann, dass sie die gemeinsame Entscheidungsfindung stärkt und die Behandlungsqualität sichert. Auf dem Programm stehen unter anderem Tipps für den Alltag in der hausärztlichen Praxis sowie Einblicke in die Gastroenterologie und die Hämatologie & Onkologie.
In eigener Sache: Den Vorsitz des Symposiums übernimmt unter anderem Kerstin Dehn (Vicepresident / Geschäftsführerin der coliquio GmbH), gemeinsam mit Sumita Sarkar und Dr. Christian Petrik.
Veranstaltungsdetails auf einen Blick
Titel: Von der Primärversorgung bis zur Spezialambulanz: Shared Decision Making in Zeiten von Dr. Google und ChatGPT
Datum & Zeit: Samstag, 18. April 2026, 15:30 bis 16:45 Uhr
Ort: RheinMain Congress Center in Wiesbaden (Saal 11)
Teilnahme: Die Teilnahme ist auch online möglich; weitere Informationen finden Sie unter www.kongress.dgim.de.
Die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) durch Patientinnen und Patienten verändert den Praxisalltag spürbar. Auch im coliquio-Forum und im Kommentarbereich wird dieses Thema intensiv diskutiert. Wie aktuell diese Entwicklung ist, zeigt auch das anstehende Frühjahrssymposium 2026 der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Dieses widmet sich explizit dem Thema „Shared Decision Making in Zeiten von Dr. Google und ChatGPT“.
07.04.2026Lesedauer: ca. 3 MinutenVon: Marina Urbanietz
Zwischen ärztlicher Expertise und „Dr. Google“: Wie Sprachmodelle wie ChatGPT die gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) im Sprechzimmer verändern.