„Aktuell kann eine CKD mithilfe eines Bluttests zur Bestimmung der eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und eines Urintests auf Albumin (zum Beispiel UACR) zuverlässig erkannt werden – auch in frühen Stadien“, erklärt Professor Galle, Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid. Die beiden Tests können nicht nur in einer Fach-, sondern auch in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Dabei kann der Urintest auf Albumin aus dem Spontanurin bestimmt werden, was dessen Durchführung erleichtert.
Trotz dieses einfachen Vorgehens wird die CKD-Diagnostik viel zu selten durchgeführt – und das sowohl in Hausarztpraxen als auch bei Fachärztinnen und -ärzten. Dies zeigen aktuelle
Daten der InspeCKD-Studie mit fast einer halben Million Patientendatensätzen.
Als Risikopatienten gelten Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2, arterieller Hypertonie, kardiovaskulären Erkrankungen, Adipositas und familiärer CKD-Belastung. Gerade diese Gruppen profitieren besonders von einer frühzeitigen Diagnostik und Therapie. „Die Niere bietet uns ein nicht-invasives diagnostisches Fenster, um das gesamte renokardiovaskuläre Risiko eines Menschen zu bewerten“, erklärt Professor Galle. Dennoch wird selbst bei Hochrisikopatientinnen und -patienten nur bei 53,5 Prozent die eGFR und bei lediglich 1,0 Prozent die UACR bestimmt.
Professor Galle betont außerdem, dass diese diagnostische Lücke besonders bedauerlich ist, da inzwischen mit der Einführung von SGLT-2-Inhibitoren für alle CKD-Betroffenen, nicht steroidalen Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten für CKD-Patientinnen und -patienten mit Diabetes sowie der baldigen Zulassung von GLP-1-Rezeptoragonisten ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung steht, die sowohl die Nierenfunktion erhalten als auch das kardiovaskuläre Risiko senken. Damit können viele Dialysen hinausgezögert oder gar verhindert werden.
Ein zentraler Schritt zur Verbesserung der Früherkennung und Behandlung chronischer Nierenerkrankungen ist die im Dezember 2024 veröffentlichte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur Versorgung von Betroffenen mit nichtdialysepflichtiger Niereninsuffizienz in der Hausarztpraxis. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich die regelmäßige Bestimmung von eGFR und Albuminurie bei Risikopersonen.
Darüber hinaus formuliert sie praxisnahe Handlungsempfehlungen zur medikamentösen Therapie, zur Verlaufskontrolle und zum sinnvollen Zeitpunkt einer Überweisung zur nephrologischen Mitbetreuung. So wird beispielsweise bei rascher Progression der CKD, eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² oder bei einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m² in Kombination mit weiteren Hinweisen auf eine Nierenerkrankung, eine Überweisung zum Nephrologen empfohlen. Genetische Erkrankungen oder Syndrome wie multiple Zystennieren sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Bei gesicherter CKD liegt der Schwerpunkt auf kontinuierlichem Monitoring und angepasster Behandlung, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.