Doxy-PEP besteht aus einer Einzeldosis von 200 Milligramm Doxycyclin, die innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch 72 Stunden nach ungeschütztem Sex eingenommen wird. Klinische Studien zeigen eine signifikante Reduktion des Risikos für Chlamydien und Syphilis bei Männern, die Sex mit Männern haben, sowie bei trans Frauen mit einer STI-Vorgeschichte. Gegen Gonorrhoe ist die Wirkung jedoch in Europa begrenzt, da 58,4% der aktuell zirkulierenden Neisseria gonorrhoeae-Stämme resistent gegen Tetracycline sind.
Das ECDC betont in seinen Leitlinien, dass Doxy-PEP nicht als Maßnahme für die gesamte Bevölkerung empfohlen wird. Ein zentrales Risiko sei die Förderung antimikrobieller Resistenzen. Studien zeigen, dass eine breitflächige Anwendung nicht nur die Resistenz in STI-Erregern, sondern auch bei anderen Bakterien wie Staphylococcus aureus oder den natürlichen Mikroben des menschlichen Körpers erhöhen kann. Dies könne sowohl einzelne Nutzer als auch die Allgemeinheit gefährden.
Die Leitlinien empfehlen daher, dass Entscheidungen über den Einsatz von Doxy-PEP individuell erfolgen sollten. Ärztinnen und Ärzte sollen das persönliche Infektionsrisiko ihrer Patienten einschätzen und auf dieser Grundlage über eine Anwendung entscheiden. Wird Doxy-PEP genutzt, sollte der Fokus auf der Prävention von Syphilis liegen. Die Maßnahme sollte zudem gezielt Risikogruppen vorbehalten sein und niemals isoliert erfolgen, betont das ECDC. Doxy-PEP müsse in ein umfassendes Konzept zur Sexualgesundheit eingebettet werden, das regelmäßige Tests, Impfungen, HIV-Prävention und Partnerbenachrichtigung umfasst.
Darüber hinaus rät das ECDC zu einer regelmäßigen Neubewertung des individuellen Bedarfs. Nutzer sollten über Vorteile und mögliche Risiken informiert werden, einschließlich der Unsicherheit bezüglich langfristiger Sicherheit und der möglichen Entwicklung von Antibiotikaresistenzen.
Zur Kontrolle der Auswirkungen von Doxy-PEP empfiehlt das ECDC eine gezielte Überwachung. Diese soll die STI-Inzidenz, den Antibiotikaverbrauch sowie die Entstehung antimikrobieller Resistenzen beobachten. Nur so könne laut ECDC sichergestellt werden, dass potenzielle gesundheitliche Risiken minimiert und Präventionsmaßnahmen gezielt eingesetzt werden.
In der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR)ist es in den letzten zehn Jahren zu einem besorgniserregendem Anstieg von bakterieller sexuell übertragbarer Infektionen gekommen. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben. Zwischen 2019 und 2023 stiegen laut ECDC die gemeldeten Fälle von Chlamydien um 16%, Gonorrhoe um 138 % und Syphilis um 53 %.