Dieser Beitrag ist eine Übernahme des Open-Access-Artikels von Dr. Elias Marquart und A.o. Univ. Prof. Dr. Birgit Willinger „Pilzinfektionen der Haut bei Kindern – „von Kopf bis Fuß““ aus „Monatsschrift Kinderheilkunde“ vom 22.12.2025. Der Artikel wurde unter der Creative Commons 4.0 Lizenz veröffentlicht. Zusammenfassung
Pilzinfektionen der Haut stellen eine häufige infektiöse Hauterkrankung im Kindesalter dar1. Insbesondere der enge Hautkontakt in Gemeinschaftseinrichtungen, Kontakt zu Tieren, die noch unreife Hautbarriere und Immunabwehr sowie bestimmte hygienische und klimatische Bedingungen begünstigen das Auftreten. Auch globale Migrationsbewegungen und internationale Reisetätigkeit tragen zur Verbreitung neuer oder bislang seltener Erreger mit erhöhtem Resistenzprofil bei. Die Bandbreite kutaner Mykosen reicht von harmlosen oberflächlichen Infektionen bis zu ausgedehnten, entzündlichen oder chronisch-rezidivierenden Verlaufsformen. Eine differenzierte Betrachtung der Erregerspektren, altersabhängigen klinischen Zeichen, geeigneten Diagnostikverfahren und individuell angepassten Therapieoptionen ist unerlässlich.
Erreger
Dermatophyten wurden anhand ihrer phänotypischen Eigenschaften in der Kultur sowie anhand der mikroskopischen Morphologie in folgende 3 Genera eingeteilt: Trichophyton, Epidermophyton und Microsporum. Im Jahr 2017 schlugen de Hoog et al.2 eine neue Klassifikation vor, basierend auf einer phylogenetischen Analyse, die sich auf bestimmte genetische Marker, wie z. B. die „Internal-transcribed-spacer“(ITS)-Region und die D1-D2-Region der ribosomalen DNA sowie β-Tubulin-Proteine und 60D ribosomales Protein, stützen. Damit wurden die Dermatophyten in 7 unterschiedliche Kladen eingeteilt. Zu den 3 bereits bekannten Genera zählen nun auch Nannizzia, Arthroderma, Paraphyton und Lophophyton. Beim Menschen sind Trichophyton, Microsporum, Epidermophyton und Nannizzia die häufigsten Infektionserreger. Die wichtigsten Erreger von Dermatophytosen zeigt Tab. 1.
Tab. 1: Häufige Dermatophytengenera, -spezies und -gruppen.38
Beim Menschen sind Trichophyton, Microsporum, Epidermophyton und Nannizzia die häufigsten Erreger von Dermatomykosen.
Aufgrund von Migration, Tiertransporten und -handel sowie des Klimawandels konnte eine Änderung der epidemiologischen Situation beobachtet werden. Das präsentiert sich v. a. im häufigeren Auftreten von resistenteren Dermatophyten3.
In einer deutschen Studie wurde gezeigt, dass Microsporum canis und Trichophyton rubrum, gefolgt von T. mentagrophytes, bei Kindern im Alter unter 5 Jahren die häufigsten Erreger von Dermatomykosen waren, Trichophyton benhamiae wurde am häufigsten in der Altersgruppe von 6 bis 9 Jahren nachgewiesen, weit abgeschlagen folgten T. rubrum, M. canis und T. mentagrophytes. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren waren T. rubrum an erster Stelle (> 80 %) und weit abgeschlagen T. interdigitale als Infektionserreger zu finden4. Eine strukturierte Darstellung der wichtigsten Erreger bei Kindern findet sich in Tab. 2.
Tab. 2: Weltweit vorkommende Dermatophyten bei Kindern und Jugendlichen
- Bei Kindern im Alter bis zu 5 Jahren sind M. canis, T. rubrum, gefolgt von T. mentagrophytes, die häufigsten Infektionserreger.
- In der Altersgruppe 6 bis 9 Jahre ist T. benhamiae der häufigste Vertreter.
- Trichophyton rubrum ist bei älteren Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren der Spitzenreiter.
Im letzten Jahrzehnt wurde bei mehreren Arten ein deutlicher Anstieg der Resistenz gegen Antimykotika, insbesondere gegen Terbinafin, beobachtet5,6. Terbinafin ist ein Allylamin-Antimykotikum, dessen Wirkmechanismus die Hemmung der Squalenepoxidase umfasst, eines Enzyms, das in mehreren Pilzen vorkommt und für die Biosynthese von Zwischenprodukten des Ergosterols verantwortlich ist, eines wichtigen Bestandteils der Pilzzellmembranen7. Die Resistenz gegen Terbinafin bei Dermatophyten wurde erstmals 2003 von Mukherjee et al. in den Vereinigten Staaten für T. rubrum beschrieben, mit Ergebnissen der minimalen Hemmkonzentration (MHK) zwischen 4 μg/ml und > 128 μg/ml für T. rubrum8.
Der primäre Mechanismus der Resistenz gegen Terbinafin bei Dermatophyten beinhaltet eine Punktmutation im Squalenepoxidase-Gen, wodurch die Affinität des Medikaments zum Zielenzym verringert wird9. In letzter Zeit wurden zunehmend Infektionen durch T. indotineae beschrieben, das sich durch einen terbinafinresistenten Phänotyp auszeichnet. Trichophyton indotineae betrifft Patienten jeden Alters und Geschlechts und verursacht entzündliche und juckende Dermatophytosen, die häufig generalisiert auftreten sowie die Gesäßregion, die Leistengegend, den Rumpf und das Gesicht befallen. Die ersten Fälle wurden in Indien beobachtet10, allerdings sind auch Fälle in Europa beschrieben worden. Bei fehlendem Ansprechen auf Terbinafin gilt es, auch an diesen Erreger zu denken.
- In den letzten Jahren zeigte sich in zunehmendem Ausmaß eine Resistenzentwicklung gegenüber Terbinafin.
- Trichophyton indotineae ist ein Vertreter, bei dem diese Resistenz besonders häufig vorkommt.
Klinische Erscheinungsbilder
Tinea capitis
Die Pilzinfektion der behaarten Kopfhaut (Tinea capitis) ist die häufigste Dermatophyteninfektion im Kindesalter11. Am häufigsten sind Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren betroffen11. Die Tinea capitis manifestiert sich typischerweise mit schuppenden, haarlosen Plaques auf der behaarten Kopfhaut. Man unterscheidet nichtentzündliche Formen, wie die Grauschuppung und die Black-Dot-Variante, von tiefentzündlichen Formen wie dem Kerion Celsi (Tinea capitis profunda), einer stark schmerzhaften Entzündung mit Bildung von Pusteln, Knoten, Plaques bis Ulzera11. Bei dieser Form kommt es in weiterer Folge zur Abszedierung, sodass auch häufig Fehldiagnosen wie bakterielle Infektionen und folglich Fehlbehandlungen mit langwierigem Krankheitsverlauf einhergehen11,12.
Zugrunde liegend ist eine granulomatöse Immunreaktion auf die Erreger mit konsekutiver Migration von Neutrophilen13. Überträger sind häufig Tiere (M. canis) oder symptomfreie menschliche Träger (Trichophyton tonsurans) sowie durch mangelndes Einhalten der Hygienerichtlinien in „Barber-Shops“ bei der Verwendung von Rasiermessern zwischen Kundenkontakt14. Zusätzlich können Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl und lokoregionale Lymphknotenschwellungen im Hals-Kopf-Bereich auftreten12.
Bei der Tinea capitis ist eine System- und Lokaltherapie über mehrere Wochen bis Monate aufgrund des Schweregrades mit Affektion der Haarfollikel zwingend erforderlich11. Bei langwierigen Verläufen ohne adäquate Behandlung kann es infolge bleibender Vernarbungen der behaarten Kopfhaut zu dauerhaftem Haarverlust kommen, der durch soziale Stigmatisierung seitens gleichaltriger Außenstehender eine psychisch belastende Beeinträchtigung darstellen kann (11; Abb. 1).
Abb. 1: Tinea capitis (a) bei einem 6‑jährigen Jungen mit multifokalem Haarverlust, teils Pusteln sowie Serokrusten im Randbereich des haarlosen Areals, verursacht durch Trichophyton tonsurans (b). Aufgrund des ausgedehnten, tiefreichenden Befalls der Kopfhaut wurde eine systemische Therapie mit Terbinafin über mehrere Wochen veranlasst, unter der sich ein komplettes Nachwachsen der Haare zeigte. (Bildrechte: a © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan. b © Prof. Dr. Birgit Willinger, Abteilung für Klinische Mikrobiologie, Klinisches Institut für Labormedizin, Medizinische Universität Wien)
- Die Tinea capitis ist die häufigste Dermatophyteninfektion im Kindesalter und erfordert bei ausgeprägtem Befund eine systemische Therapie.
- Unbehandelte Verläufe können zu Vernarbungen mit dauerhaftem Haarverlust und erheblicher psychosozialer Belastung führen.
Tinea corporis
Die Pilzinfektion der unbehaarten Haut (Tinea corporis) ist eine oberflächliche Dermatophytose und tritt im Kindesalter relativ häufig auf15. Die Erkrankung wird meist durch Trichophyton- oder Microsporum-Arten verursacht, wobei zoophile Erreger wie Microsporum canis bei Kindern am häufigsten vorkommen (Abb. 2,15). Die Übertragung kann direkt von Mensch zu Mensch, von Tier zu Mensch oder seltener indirekt über kontaminierte Gegenstände erfolgen15. Die zoonotische Übertragung ist oft auf den engen Hautkontakt zu infizierten Haustieren wie Katzen, Hunden oder Meerschweinchen zurückzuführen, sodass auch häufig eine Manifestation im Gesichtsbereich (Tinea faciei; Abb. 3) zu finden ist15.
Abb. 2 Tinea corporis (a) im Brustbereich bei einem 4‑jährigen Mädchen mit einer feinlamelligen, randbetonten, schuppenden Plaque und Aussparung im Zentrum der Läsion, verursacht durch Microsporum canis (b). Nach mehreren frustranen Behandlungsversuchen mit topischen Antimykotika im niedergelassenen Bereich wurde eine systemische Therapie mit Itraconazol durchgeführt, unter der es zur vollständigen Rückbildung der Läsion kam. (Bildrechte: a © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan. b © Birgit Willinger)
Abb. 3 Tinea faciei (a) im Kinnbereich bei einem 10-jährigen Mädchen mit einer erythematösen, pathognomonisch randbetonten, schuppenden Plaque mit zentraler Abblassung, verursacht durch zoonotische Übertragung vom Haustier (Meerschweinchen) mit Trichophyton benhamiae (b). Aufgrund der anatomisch sensiblen Lokalisation im Gesicht sowie eines frustranen Therapieversuchs mit systemischem Itraconazol im niedergelassenen Bereich wurde eine kombinierte topische und systemische Behandlung mit Terbinafin eingeleitet, unter der es zur kompletten Abheilung der Läsion kam. Zur Vermeidung einer Reinfestation erfolgten zudem die tierärztliche Vorstellung und Behandlung des Meerschweinchens. (Bildrechte: a © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan. b © Birgit Willinger)
Im dermatologischen Status zeigt sich die Tinea corporis (engl. „ringworm“) typischerweise mit namensgebendem klinischen Zeichen als ringförmige, scharf begrenzte, leicht erhabene Rötung mit zentraler Abblassung und randständiger Schuppung und mildem Juckreiz15. Darüber hinaus kann es zur Manifestation mit Pusteln kommen15. Die Läsionen können einzeln oder multipel auftreten und im weiteren Verlauf konfluieren15.
Therapeutisch erfolgt überwiegend eine topische Behandlung mit Antimykotika wie Imidazolen (z. B. Clotrimazol, Miconazol) oder Terbinafin über mehrere Wochen. Bei ausgedehnten Befunden, Therapieversagen oder Beteiligung von Haarfollikeln (Tinea profunda) ist eine systemische Therapie mit Terbinafin oder Itraconazol indiziert15. Eine sorgfältige hygienische Begleitmaßnahme, ggf. einschließlich tierärztlicher Mitbehandlung, ist entscheidend zur Vermeidung von Reinfektionen15.
- Die Tinea corporis ist im Kindesalter häufig und wird oft zoonotisch übertragen.
- Eine topische Therapie ist meist ausreichend.
- Bei ausgedehntem oder follikulärem Befall ist eine systemische Behandlung erforderlich, ergänzt durch konsequente Hygienemaßnahmen und tierärztliche Mitbehandlung der Überträger zur Rezidivprophylaxe.
Tinea pedis
Die Tinea pedis, umgangssprachlich auch „Fußpilz“ genannt, ist die häufigste Dermatophytose bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen16. Verursacht wird sie überwiegend durch anthropophile Dermatophyten, v. a. Trichophyton rubrum und Trichophyton interdigitale16,17. Die Übertragung erfolgt meist indirekt über kontaminierte Böden in Schwimmbädern, Umkleidekabinen oder Gemeinschaftsduschen, begünstigt durch okklusive Schuhe, Feuchtigkeit und kleine Hautläsionen17.
Klinisch unterscheidet man folgende Formen17:
- die interdigitale Form mit Mazeration und Schuppung, insbesondere im 3. und 4. Zehenzwischenraum;
- die squamös-hyperkeratotische Form mit trockener Schuppung an der Fußsohle („Mokassin-Typ“) sowie
- die pustulöse Form mit Pustelbildung an Fußrändern oder Sohlen.
Das Leitsymptom der Tinea pedis ist Juckreiz17. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch mikroskopischen Nachweis von Pilzhyphen sowie ggf. Kultivierung bestätigt17. Die Behandlung erfolgt in unkomplizierten Fällen über mehrere Wochen bis Monate lokal mit Antimykotika (z. B. Terbinafin, Clotrimazol); bei ausgedehnten oder chronischen Verläufen ist eine systemische Therapie zu erwägen17. Eine sorgfältige Fußhygiene, das Tragen atmungsaktiver Schuhe sowie die regelmäßige Desinfektion von Schuhwerk und Socken sind wichtige Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe (17; Abb. 4).
Abb. 4: Tinea pedis bei einer 16-jährigen Jugendlichen mit randbetonter Schuppung im Bereich des medialen Fußrandes, verursacht durch Trichophyton rubrum. Es wurde eine mehrwöchige, topische Therapie mit Terbinafin durchgeführt, unter der es zur Abheilung kam. (Bildrechte: © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan)
- Die Tinea pedis tritt v. a. bei älteren Kindern und Jugendlichen auf und wird durch ein feuchtes Milieu wie im Rahmen von Schwimmbadbesuchen oder okklusive Schuhe begünstigt.
- Neben der lokalen Antimykotikatherapie sind konsequente Fußhygiene und Schuhdesinfektion zur Vermeidung eines Rezidivs entscheidend.
Onychomykose
Die Onychomykose ist eine durch Pilze verursachte Infektion der Nägel und die häufigste infektiöse Nagelerkrankung im Kindes- und Erwachsenenalter, wobei sie bei Kindern seltener auftritt18. Die Erreger sind meist Dermatophyten, insbesondere Trichophyton rubrum (Abb. 5; 18). Seltener kommen Hefepilze wie Candida albicans vor18. Die Infektion betrifft meist die Zehennägel18 und kann durch Fußpilz, okklusives Schuhwerk, Nageltraumata oder eine gestörte Nagelstruktur begünstigt werden19.
Abb. 5: Onychomykose (a) bei einem 3‑jährigen Kleinkind mit hyperkeratotisch-erosiver, bräunlicher Verfärbung der gesamten Nagelplatte des Daumens, verursacht durch Trichophyton rubrum (b Kulturplatte von oben) mit namensgebendem, rötlichem Wachstum (c Kulturplatte von unten). Aufgrund des vollständigen Nagelbefalls wurde eine systemische Therapie mit Terbinafin über mehrere Monate verabreicht, worunter sich die Nagelveränderung vollständig zurückbildete. (Bildrechte: a © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan. b, c © Birgit Willinger)
Klinisch zeigen sich typische Veränderungen wie Nagelverdickung, gelblich-weißliche Verfärbung, Brüchigkeit und subunguale Hyperkeratose. Man unterscheidet verschiedene Formen, darunter die distolaterale subunguale, die superfizielle weiße und die proximale subunguale Onychomykose20. Die Diagnose sollte durch direkte Mikroskopie und Kultur aus Nagelmaterial gesichert werden, alternativ kann eine Polymerase-Kettenreaktion-Diagnostik zum Einsatz kommen21.
Die Therapie richtet sich nach Ausmaß und Erregertyp: Topische Antimykotika (z. B. Ciclopiroxnagellack oder Amorolfinnagellack) sind bei oberflächlichem Befall im Ausmaß von 40 % der gesamten Nagelplatte ausreichend, während bei ausgeprägter oder matrixnaher Beteiligung eine systemische Therapie mit Terbinafin oder Itraconazol über mehrere Monate angezeigt ist21. Eine konsequente Behandlung ist wichtig, da unbehandelte Onychomykosen chronisch-rezidivierende Verläufe aufweisen20. Für kurative Nagelextraktionen gibt es keine Empfehlung; diese sind obsolet21.
- Die Onychomykose ist die häufigste Nagelerkrankung und erfordert eine sichere Diagnostik mithilfe der Mikroskopie und Kultur.
- Je nach Ausdehnungsgrad des Befalls sind topische oder systemische Antimykotika indiziert.
Tinea incognita
Die Tinea incognita bezeichnet eine atypisch erscheinende Dermatophytose, deren charakteristische Merkmale durch die vorherige oder gleichzeitige Anwendung von topischen Glukokortikoiden oder Kalzineurininhibitoren maskiert wurden22,23. Durch die immunsuppressive Wirkung dieser Präparate wird die Entzündungsreaktion unterdrückt, was zu einer abgeschwächten oder veränderten klinischen Präsentation führt und die Diagnose erschwert oder verzögert22,23. Typischerweise fehlt bei Tinea incognita der klassische, randbetonte, schuppende Ring mit zentraler Abheilung, wie er für eine unbehandelte Tinea corporis typisch ist. Stattdessen zeigen sich unscharf begrenzte, ekzematös-wirkende Plaques mit geringer Schuppung, Erythem, ggf. vesikulösen Anteilen oder sogar pustulösen Veränderungen22,23.
Der Juckreiz kann weiterhin bestehen23. Die Läsionen breiten sich oft weiter aus, da die eigentliche Ursache – eine Pilzinfektion – unbehandelt bleibt oder sogar durch die Anwendung von Glukokortikoiden gefördert wird22,23. Die Diagnose erfordert ein hohes Maß an klinischem Verdacht, insbesondere bei therapieresistenten oder sich verschlechternden „Ekzemen“22,23. Sie sollte durch direkte Mikroskopie (Kaliumhydroxidpräparat, KOH-Präparat), Pilzkultur oder PCR aus Hautmaterial gesichert werden22,23. Therapeutisch ist eine sofortige Beendigung der Glukokortikoidgaben erforderlich, gefolgt von einer gezielten antimykotischen Behandlung – topisch bei begrenzten Befunden (z. B. mit Terbinafin), systemisch bei ausgedehnten oder tiefen Infektionen22,23. Tinea incognita ist ein klassisches Beispiel dafür, wie falsche Therapieansätze bei nichtgesicherter Diagnose zu einem veränderten und irreführenden Krankheitsbild führen können22,23.
- Die Tinea incognita entsteht durch unsachgemäße Kortikoidanwendung, die die typischen klinischen Zeichen von kutanen Pilzinfektionen maskiert und folglich die Diagnose verzögert.
- Entscheidend sind der Verdacht bei Fehldiagnosen wie „therapieresistentes Ekzem“ sowie eine gezielte antimykotische Behandlung.
Pityriasis versicolor
Die Pityriasis versicolor ist eine oberflächliche, nichtentzündliche Pilzinfektion der Haut, die durch lipophile Hefepilze der Gattung Malassezia verursacht wird – am häufigsten Malassezia furfur24. Die Pilze gehören zur normalen Hautflora, können jedoch unter bestimmten Bedingungen (z. B. Wärme, Feuchtigkeit, vermehrte Sebumproduktion, Immunsuppression) in ihre pathogene, filamentöse Form übergehen24. Die Erkrankung tritt bevorzugt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, seltener im Kindesalter, und manifestiert sich typischerweise an seborrhoischen Arealen wie Brust, Rücken, Schultern und Nacken24.
Klinisch zeigt sich Pityriasis versicolor durch scharf begrenzte, meist oval-runde, hypopigmentierte, seltener hyperpigmentierte Makulae mit feiner, mehlartiger Schuppung, die sich besonders nach dem Kratzen („Herdzeichen“) sichtbar macht (Abb. 624). Daher sollten auch andere Differenzialdiagnosen wie eine Pityriasis alba oder eine Vitiligo in Betracht gezogen werden25. Die Läsionen sind meist symptomlos, gelegentlich kann ein leichter Juckreiz bestehen25. Die Diagnose ist überwiegend klinisch möglich, kann aber durch eine direkte Mikroskopie (Nachweis von kurz verzweigten Hyphen und Sporen – „Spaghetti und Fleischbällchen“) oder Wood-Licht-Untersuchung (gelblich-grünliche Fluoreszenz im Gegensatz zur Vitiligo) bestätigt werden25.
Abb. 6: Pityriasis versicolor im Brustbereich eines Säuglings mit fein schuppenden, scharf begrenzten, weißen Makulae, verursacht durch Malassezia furfur. Es wurde eine topische Therapie mit Ketoconazol eingeleitet, worunter die Hautveränderungen abheilten. (Bildrechte: © Kinderdermatologische Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, Leitung: Univ. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan)
Therapeutisch kommen topische Antimykotika wie Ketoconazol, Ciclopirox oder Selensulfid über mehrere Wochen zum Einsatz; bei ausgedehntem oder rezidivierendem Befall kann eine kurzzeitige systemische Therapie mit Itraconazol oder Fluconazol erwogen werden25. Rückfälle sind häufig, daher sind prophylaktische Maßnahmen wie regelmäßige Anwendung von antimykotischen Shampoos und das Vermeiden prädisponierender Faktoren sinnvoll25.
- Die Pityriasis versicolor ist eine durch Malassezia-Hefen verursachte, meist symptomarme Hautinfektion, die bevorzugt Jugendliche betrifft.
- Rezidive sind häufig, weshalb neben der antimykotischen Therapie auch prophylaktische Maßnahmen entscheidend sind.
Diagnostik
Die konventionelle Diagnose von Dermatomykosen besteht im direkten mikroskopischen Nachweis des Erregers sowie in der Kultivierung auf festen Nährmedien. Dermatophyten und Schimmelpilze werden meist anhand typischer Pilzelemente und -strukturen identifiziert. Für die mikroskopische Beurteilung aus dem Nativmaterial wird zumeist 10- bis 15 %ige KOH verwendet, die es erlaubt, Pilzstrukturen nachzuweisen. KOH löst Haut- und Keratinstrukturen auf, während Pilzbestandteile erhalten bleiben und so gut unter dem Mikroskop sichtbar sind. Nach erfolgreicher Kultivierung ist es mittlerweile möglich, neben Spross- und Schimmelpilzen auch Dermatophytenisolate mithilfe der Massenspektrometrie (Kombination aus Matrix-assisted Laser Desorption/Ionization und Flugzeitanalyse [„time of flight“], MALDI-TOF) zu identifizieren. Während für Spross- und Schimmelpilze schon gute Datenbasen zur Verfügung stehen, ist es wesentlich schwieriger, Dermatophyten bis auf die Speziesebene zu identifizieren. Vielfach ist jedoch die Identifikation von Genus und bestimmten Dermatophytengruppen mithilfe der MALDI-TOF-MS möglich.
Mikroskopie und Kultivierung sind nach wie vor Goldstandard im Erregernachweis bei Dermatomykosen, sind aber aufwendig und bedürfen einer entsprechenden Expertise, um den Erreger zu identifizieren. Dies gilt besonders für Infektionen durch Dermatophyten und Schimmelpilze. Da manche Dermatophytenarten sehr langsam wachsen, kann das Ergebnis erst nach 3 Wochen, manchmal sogar noch später vorliegen, sodass es mehrere Wochen dauern kann, bis der endgültige Befund fertiggestellt ist. Auch das klinische Bild ist nicht immer eindeutig, sodass ein rascher Erregernachweis für das richtige Therapiemanagement wichtig ist.
Während der letzten Jahre wurden große Anstrengungen unternommen, um schnellere, genauere und gleichzeitig sensitivere Methoden zu entwickeln und eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen. Eine frühzeitige Diagnose geht mit einer früheren zielgerichteten Therapie einher und führt in weiterer Folge auch zu einem rascheren Heilungserfolg. Für den Therapieerfolg ist es wichtig, den Erreger exakt zu identifizieren. So ist z. B. bei der Tinea capitis durch Trichophyton-Spezies eine kürzere Behandlungsdauer erforderlich als bei Infektionen durch Microsporum canis oder Nannizzia-Spezies. Infektionen mit Nichtdermatophyten sprechen möglicherweise nicht auf die Standardtherapie der Dermatophytose an26. Zum Beispiel wurden Fadenpilze wie Fusarium, Acremonium und Aspergillus als alleinige Infektionserreger von Onychomykosen gefunden; diese sprachen auf mehrfache systemische Behandlungen mit Terbinafin und Itraconazol nicht an27. Auch das Auftreten von terbinafinresistenten Dermatophyten ist als mögliche Ursache eines Therapieversagens in Betracht zu ziehen28. Die genaue Erregeridentifizierung auf Speziesebene ist nicht nur für die Wahl der am besten geeigneten antimykotischen Behandlung ausschlaggebend, sondern trägt auch dazu bei, Infektionsquellen aufzuspüren, um Reinfektionen zu vermeiden sowie Epidemien zu erkennen und zu kontrollieren29.
Der kulturelle Nachweis dieser Pilze kann sich, wie bereits erwähnt, über mehrere Wochen erstrecken. Die molekularen Methoden ermöglichen einen wesentlich schnelleren Erregernachweis. Polymerase-Kettenreaktion-basierte Methoden zeichnen sich durch eine höhere Sensitivität als die Methoden der konventionellen Pilzdiagnostik aus und sind wesentlich schneller als die Kultivierung30. Innerhalb weniger Stunden kann bereits das Ergebnis vorliegen. Diese Tests sollten nicht nur Dermatophyten, sondern auch Sprosspilze und einige Schimmelpilze, die ebenfalls Infektionen der Haut und ihrer Anhangsgebilde auslösen können, abdecken. Die Vor- und Nachteile von Kultur und PCR im Vergleich zeigt Tab. 3.
Tab. 3: Kultur und Polymerase-Kettenreaktion(PCR)-Diagnostik im Vergleich.
- Für die mikrobiologische Diagnostik stehen Mikroskopie (KOH-Präparat), Kultivierung mit nachfolgender Identifizierung und molekularbiologische Methoden zur Verfügung.
- Besonders bewährt hat sich die Multiplex-PCR.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach dem Erregertyp, der betroffenen Körperregion sowie dem Ausmaß der Infektion, wobei sie topisch oder systemisch erfolgen kann31. Bei oberflächlichen, lokalisierten Hautmykosen wie bei der Tinea corporis oder Tinea pedis reicht überwiegend eine topische Behandlung mit fungiziden Wirkstoffen wie Imidazolen (z. B. Clotrimazol, Miconazol, Bifonazol) oder Allylaminen (z. B. Terbinafin) aus32. Diese Präparate werden über einen Zeitraum von mehreren Wochen ein- bis zweimal täglich aufgetragen, wobei die Behandlungsdauer über die klinische Abheilung hinaus für eine weitere Zeit erfolgen sollte, um eine vollständige Abheilung zu ermöglichen und das Rezidivrisiko zu minimieren32. Bei sekundärer bakterieller Superinfektion kann die vorübergehende Kombinationstherapie mit Antiseptika oder systemischen Antibiotika erforderlich sei32. Eine Systemtherapie ist insbesondere bei der Tinea capitis und ausgedehnter Onychomykose oder Tinea corporis erforderlich, da antimykotische Externa nicht ausreichen32. Hierbei kommen gewichtsadaptierte, oral verabreichte Antimykotika wie Terbinafin (fungizid, bevorzugt bei Trichophyton-Arten) oder Griseofulvin (fungistatisch, insbesondere bei Microsporum-Befall) zum Einsatz32.
Die systemische Therapie mit Terbinafin ist ab dem 2. Lebensjahr zugelassen, wobei Itraconazol oder Fluconazol als Alternativen verwendet werden können33,34. Die Therapiedauer der Systemtherapie beträgt je nach Wirkstoff, Erreger und Krankheitsbild wie beispielweise bei der Tinea capitis mehrere Wochen bis Monate und sollte unter kontinuierlichem Erregernachweis evaluiert werden, wobei der primäre Endpunkt die klinische Abheilung und ein negativer mykologischer Nachweis ist35. Wichtig ist eine frühzeitige Erregerdiagnostik, um eine gezielte Therapie zu ermöglichen35.
Darüber hinaus sind krankheitsspezifische Maßnahmen erforderlich z. B. regelmäßiges Wechseln/Waschen von Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern, Waschen bei hohen Temperaturen (mindestens 60 °C), Wechsel/Desinfektion von Schuhwerk, Vermeidung gemeinsamer Nutzung von Haarbürsten oder Kämmen sowie tierärztliche Kontrolle bei Verdacht auf zoonotische Übertragung (z. B. Microsporum canis) sind entscheidend zur Vermeidung von Reinfektionen oder Ausbreitung im sozialen Umfeld35,36. Bei stark entzündlichen Formen (z. B. Kerion Celsi) kann eine kurzfristige adjuvante Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden als supportive Maßnahme erwogen werden37. Eine gute Patienten-Compliance und Therapieadhärenz sowie regelmäßige Verlaufskontrollen sind für einen nachhaltigen Therapieerfolg essenziell.
- Die Therapie von Pilzinfektionen der Haut und ihrer Anhangsgebilde richtet sich nach Erreger, Ausmaß und Lokalisation.
- Oberflächliche Infektionen sprechen meist auf topische Antimykotika an, während ausgeprägte oder therapieresistente Befunde eine systemische Behandlung erfordern.
- Ergänzend sind konsequente Hygienemaßnahmen und ggf. supportive Maßnahmen entscheidend für den Therapieerfolg.
Fazit für die Praxis
- Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Pilzinfektionen im Kindesalter zählen Tierkontakte, enge Hautkontakte in Gemeinschaftseinrichtungen und der Aufenthalt in feucht-warmem Klima; diese Faktoren sollten bei der Anamnese und Prävention berücksichtigt werden.
- Die häufigsten Manifestationen – Tinea capitis, Tinea corporis, Tinea pedis, Onychomykose, Pityriasis versicolor und Tinea incognita – lassen sich anhand der altersabhängigen klinischen Zeichen differenzieren. In atypischen oder therapieresistenten Fällen müssen Sonderformen bzw. resistente Erreger in Betracht gezogen werden.
- Um eine zielgerichtete Therapie zu gewährleisten, sollten mikroskopische, kulturelle und bei Bedarf molekulare Verfahren zum Erregernachweis genutzt werden.
- Die Therapie richtet sich nach dem Erreger sowie der Lokalisation und Ausdehnung der Infektion. Bei oberflächlichen, lokalisierten Hautmykosen reicht überwiegend eine topische Therapie, während eine systemische Therapie insbesondere bei der Tinea capitis und ausgedehnter Onychomykose oder Tinea corporis erforderlich ist.
- Eltern und Betreuende sollten zur Rezidivprophylaxe über hygienische Begleitmaßnahmen informiert werden. Besonderes Augenmerk ist auf Wäsche, Schuhwerk und Tierkontakt zu legen.