Mit der Einführung zielgerichteter Biologika gegen zentrale Mediatoren der Typ-2-Inflammation haben sich die therapeutischen Möglichkeiten bei atopischer Dermatitis (AD) in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Während randomisierte kontrollierte Studien die Wirksamkeit und Sicherheit von Lebrikizumab, einem monoklonalen Antikörper gegen Interleukin-13, bereits belegt haben, sind Real-World-Daten aus der klinischen Routine bislang begrenzt.
Vor diesem Hintergrund untersuchte eine multizentrische retrospektive Kohortenstudie an 26 italienischen Versorgungszentren die Wirksamkeit, Sicherheit und patientenberichteten Outcomes von Lebrikizumab bei 78 erwachsenen Personen mit moderater bis schwerer AD über einen Zeitraum von 16 Wochen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift
Dermatology and Therapy veröffentlicht.
Studiendesign
An der multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie waren 26 italienische tertiäre Überweisungszentren beteiligt. Zwischen Januar und Dezember 2024 nahmen 78 Erwachsene mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis daran teil (mittleres Alter 37,6 Jahre; 53,9 % Frauen; 80,8 % weiß).
Die Behandlung erfolgte mit subkutanem Lebrikizumab (500 mg in Woche 0 und 2, anschließend 250 mg alle zwei Wochen bis Woche 16).
62,8 % der Teilnehmenden hatten zuvor bereits Biologika oder JAK-Inhibitoren erhalten, 37,2 % waren therapienaiv.
Primärer Endpunkt war die prozentuale Veränderung des Eczema Area and Severity Index (EASI) von Baseline bis Woche 16.
Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen von u. a.
- EASI Kopf/Hals,
- Dermatology Life Quality Index (DLQI)
- Numerical Rating Scale (NRS)-Pruritus,
- NRS-Schlaf
- Atopic Dermatitis Control Tool (ADCT)
- The Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)-A/D
- Investigators Global Assessment Scala of Atopic Dermatitis (IGA)
- Scoring Atopic Dermatitis (SCORAD)
- Patient Oriented Eczema Measure (POEM)
- den Anteil minimaler Krankheitsaktivität (MDA) sowie
- Sicherheitsdaten.
Lebrikizumab verbessert Krankheitsaktivität und Lebensqualität
Nach 16 Wochen zeigte sich eine signifikante Reduktion des EASI (mittlere Veränderung −15,8; p < 0,0001), entsprechend einer 75,4 %igen Reduktion der Krankheitsaktivität. Im Kopf-/Halsbereich betrug die Reduktion 57 %.
Die Lebensqualität verbesserte sich deutlich (DLQI −70 %), begleitet von einer Reduktion des Pruritus (Itch-NRS −4,6) und einer verbesserten Schlafqualität (Sleep-NRS −4,1; jeweils p < 0,0001).
Die krankheitsbezogene Kontrolle (ADCT) verbesserte sich signifikant (−10,9; p < 0,0001).
Auch die psychische Belastung nahm ab (HADS-A −6,5; HADS-D −5,4).
85 % der Patient:innen zeigten eine Verbesserung im IGA, SCORAD und POEM reduzierten sich um 75 % bzw. 69 %.
Eine minimale Krankheitsaktivität wurde bei 14,6 % erreicht.
Therapieassoziierte Nebenwirkungen traten bei lediglich 5,1 % auf.
Fazit
Die Studie zählt zu den ersten Real-World-Untersuchungen, die untersucht haben, ob Lebrikizumab bei moderater bis schwerer atopischer Dermatitis auch bei Personen mit AD und vorheriger Biologika- oder JAK-Inhibitor-Exposition helfen kann. Die Ergebnisse liefern überzeugende Hinweise, dass die Anwendung von Lebrikizumab wirksam und sicher ist.
Dieser Text ist im Original erschienen unter www.medscape.com