Zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Psoriasis stehen verschiedene hochwirksame Biologika zur Verfügung. Da diese jedoch auch in immunologische Kontrollmechanismen eingreifen, könnte das Risiko für Krebserkrankungen bei Betroffenen erhöht sein. Ein dänisches Forschungsteam hat nun aktuelle Sicherheitsdaten zu 3 verschiedenen Biologika ausgewertet, um das Krebsrisiko vergleichend einschätzen zu können. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift
JAMA Dermatology veröffentlicht.
1Im Blick: Adalimumab, Secukinumab und Ustekinumab
Krebserkrankungen gelten in Studien zu Biologika als ein relevanter Sicherheitsendpunkt und erfordern entsprechend eine möglichst langfristige Nachbeobachtung. In ihrer Studie analysierten die Forschenden mittel- bis längerfristige Sicherheitsdaten zu folgenden bei Psoriasis eingesetzten Biologika:
- Adalimumab
- Secukinumab
- Ustekinumab
Untersucht wurde das Risiko, erstmalig an Krebs zu erkranken, wobei jede Form mit Ausnahme von nicht-melanotischem Hautkrebs berücksichtigt wurde.
Studiendesign
Die Kohortenstudie basierte auf Daten aus dänischen Registern und folgte einem Active-Comparator-New-User-Design, das einen Kopf-an-Kopf-Vergleich analog zu einer randomisierten Studie nachbildet. Berücksichtigt wurden ausschließlich Daten von Patientinnen und Patienten ohne Krebserkrankungen in der Vorgeschichte, die eine biologische Therapie zur Behandlung der Psoriasis initiierten.
Der primäre Endpunkt war die erstmalige Inzidenz einer Krebserkrankung mit Ausnahme von nicht-melanotischem Hautkrebs. Um die Induktions- und Latenzzeit zu berücksichtigen, wurden Krebserkrankungen, die innerhalb eines 12-monatigen Ausschlusszeitraums jeweils nach Therapiebeginn und nach Therapieende auftraten, nicht eingeschlossen. Anhand einer Sekundäranalyse wurden die Ergebnisse zusätzlich mit einer Ausschlusszeit von 24 Monaten überprüft.
5-Jahres-Krebsrisiko unter Ustekinumab am geringsten
In Summe wurden Daten von 2.878 Personen mit Psoriasis analysiert, von denen 1.807 (62,8 %) männlich und im Mittel 44,6 Jahre alt waren. Die Verteilung nach biologischer Therapie ergab:
- Adalimumab: 2.001 Personen
- Secukinumab: 286 Personen
- Ustekinumab: 591 Personen
Unter Anwendung einer 12-monatigen Ausschlusszeit wurden 36 Krebserkrankungen in der Adalimumab-Gruppe registriert, in der Secukinumab-Gruppe erkrankten 5 Personen erstmalig an Krebs und in der Ustekinumab-Gruppe 10 Personen. Das kumulative 5-Jahres-Krebsrisiko betrug 0,040 (95 % Konfidenzintervall [KI]: 0,024–0,056) für Adalimumab, 0,036 (95 % KI: 0,005–0,066) für Secukinumab und 0,024 (95 % KI: 0,009–0,040) für Ustekinumab.
Standardisierte Schätzungen deuteten darauf hin, dass das 5-Jahres-Krebsrisiko unter Ustekinumab um 41 % (95 % KI: -1 %–82 %; p = 0,06) niedriger war als unter Adalimumab und unter Secukinumab um 12 % (95 % KI -69 %–93 %; p = 0,77) niedriger als unter Adalimumab.
Unter Anwendung einer 24-monatigen Ausschlusszeit deuteten die Schätzungen auf ein um 56 % (95 % KI: 24 %–88 %; p < 0,001) geringeres 5-Jahres-Krebsrisiko unter Ustekinumab als unter Adalimumab hin.
Höheres Krebsrisiko unter TNF-Hemmern?
Im Gesamtbild zeigte sich keine bedeutsame Assoziation zwischen der Biologika-Einnahme und einem erhöhten Risiko für neu aufgetretene Krebserkrankungen. Numerisch ließ sich unter Ustekinumab im Vergleich zu Adalimumab ein geringeres geschätztes Risiko beobachten, innerhalb von 5 Jahren nach Ende der Ausschlusszeit erstmalig an Krebs zu erkranken. Bei den mit Secukinumab behandelten Patientinnen und Patienten war die Anzahl der Krebsfälle begrenzt, was zu einer verringerten statistischen Aussagekraft führte.
Die Ergebnisse stimmten mit einer früheren Studie2 überein, der zufolge Tumornekrosefaktor(TNF)-Hemmer wie Adalimumab mit einem höheren Risiko für bestimmte Krebsarten assoziiert waren als Interleukin(IL)-17-Inhibitoren (z. B. Secukinumab) und IL-23-Inhibitoren (z. B. Ustekinumab). In der besagten Studie wurden jedoch keine Ausschlusszeiten berücksichtigt, was zu einer Auswahlverzerrung geführt haben könnte, wenn frühe Krebserkrankungen der Biologika-Exposition zugeschrieben wurden.
In Zukunft sind Studien in größerem Umfang erforderlich, um das Risiko für spezifische Krebsarten zu untersuchen und die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zu bestätigen.
Stärken und Limitationen der Studie
Den Autorinnen und Autoren der Studie zufolge lag die Stärke der Arbeit in ihrer Methodik: Weil nur Biologika-Neuanwendende untereinander verglichen wurden, ließen sich Verzerrungen aufgrund von unterschiedlichen Ausgangsrisiken zwischen den Behandlungsgruppen reduzieren. Die Anwendung einer 12-monatigen sowie ergänzend einer 24-monatigen Ausschlusszeit erhöhte die Robustheit der Ergebnisse.
Als Einschränkung gaben die Forschenden an, dass das Risiko für bestimmte Krebsarten nicht separat untersucht werden konnte. Darüber hinaus könnten nicht gemessene Einflussfaktoren, etwa Lebensstilfaktoren, sowie eine eingeschränkte Vergleichbarkeit der Behandlungsgruppen die Schätzungen verzerren. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass ihre Ergebnisse als vergleichende Risikoschätzungen, nicht aber als kausale Zusammenhänge interpretiert werden sollten.