Der Fall
Eine 21-jährige Patientin stellte sich mit seit acht Tagen bestehendem Fieber, Diarrhö und Myalgie in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Faro, Portugal, vor. Seit 8 Tagen nehme sie Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) ein. Nach 6 Tagen seien die Beschwerden erstmals aufgetreten, sodass sie eine Selbsttherapie mit 600 mg Ibuprofen und 1000 mg Paracetamol gestartet habe. Seit etwa 2 Tagen bestünden zusätzlich ein Hautausschlag und Juckreiz. Als Vorerkrankung war ein rezidivierender Harnwegsinfekt bekannt.
Die sonstige Medikamenten-, Familien-, Sozial-, Drogen-, Reise- und Allergieanamnesen waren unauffällig.
Befunde
Bei der Aufnahme der Patientin wurden deren Vitalparameter gemessen. Die Patientin hatte Fieber (höchste Messung: 39,9 °C). Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung bei Raumluft lagen in ihrer jeweiligen Normspanne.
Die Inspektion, Auskultation, Palpation und Perkussion des Patientenkörpers bestätigten die anamnestischen Angaben. Es zeigte sich ein Hautausschlag am ganzen Körper.
Laboruntersuchungen offenbarten eine relative Lymphopenie ohne Leukozytose oder Eosinophilie und ein erhöhtes CRP. Die Urinanalyse verlief unauffällig. Blut- und Urinkulturen sowie eine Lumbalpunktion lieferten keinen pathologischen Befund. Neurologisch ließen sich keine Auffälligkeiten feststellen.
Bilastin und Prednisolon wurden verschrieben und die Patientin entlassen. Binnen 2–3 Tagen besserten sich die Symptome der Patientin.
Hinweis auf Diagnose elf Monate später
Bei weiterhin unklarer Diagnose und Ätiologie wurde ein Patch-Test mit TMP-SMX 10 % in Petrolatum durchgeführt. Nach 48 bzw. 72 Stunden war das Ergebnis negativ.
Einfach verblindete, placebokontrollierte Provokationstests mit oralem Paracetamol in einer kumulativen Dosis von 1000 mg sowie mit Ibuprofen in einer kumulativen Dosis von 600 mg lieferten ebenfalls negative Ergebnisse.
Elf Monate nach der Erstvorstellung der Patientin wurde ein einfach verblindeter, placebokontrollierter Provokationstest mit TMP-SMX in einer kumulativen Dosis von 800 mg + 160 mg (verabreicht in zwei Dosen mit 30 Minuten Abstand) durchgeführt. Etwa 4 Stunden nach dem Provokationstest entwickelte die Patientin ein paracetamolresistentes Fieber (höchste Messung 39,3 °C) sowie eine Bradykardie. Zudem traten Erythema am Hals, im Gesicht und an den Handflächen und eine konjunktivale Hyperämie auf. Ferner klagte die Patientin über frontale Kopfschmerzen und mobilitätseinschränkende Nackenschmerzen.
Es erfolgte eine Therapie mit 1000 mg Paracetamol und 20 mg Ebastin, unter der sich die Symptome initial besserten. Nach wenigen Stunden kam es allerdings zu einer Verschlechterung der Nackenschmerzen und -steife.
Notfalluntersuchungen offenbarten erneut eine relative Lymphopenie ohne Leukozytose oder Eosinophilie sowie ein erhöhtes CRP von 11,34 mg/dL. Urinanalyse, Blut- und Urinkulturen waren erneut negativ. Eine Liquoranalyse zeigte keine Pleozytose, Proteinanomalitäten oder Hypogycorrhachia, sodass eine Meningitis ausgeschlossen wurde.
Binnen 48 Stunden besserte sich das Fieber unter Paracetamol
Bei mittlerweile hochgradigem Verdacht auf ein medikamenteninduziertes Fieber erfolgte drei Monate später ein Lymphozyten-Transformationstest mit TMP-SMX. Die Testergebnisse deuteten auf eine wahrscheinliche Sensibilität hin.
Diskussion
„Medikamenteninduziertes Fieber bleibt eine unterdiagnostizierte, häufig übersehene, Krankheit – insbesondere unter Antibiose, während der es mit einem rezidivierenden Infekt verwechselt werden kann“, schreiben die Allergologin Dr. Maria Lages et al. von der Unidade Local de Saúde de Algarve in Faro, Portugal. Temporale Assoziation, Besserung nach Medikamentenabsetzung sowie eine vorangegangene sorgfältige Differentialdiagnostik seien wichtige Voraussetzungen für eine korrekte Diagnose.
Der Fallbericht dient dem Zweck, das Bewusstsein für medikamenteninduziertes Fieber unter praktizierenden Ärztinnen und Ärzten zu stärken.
Dieser Artikel ist im Original erschienen Univadis, Teil des Medscape Professional Network.