Viele Städte in Deutschland gehen hier mit guten Beispielen voran. Wer Unterstützung und Kontakte sucht, findet Aktionen unterschiedlicher Einrichtungen und Organisationen. Auch abseits von Vereinen ermöglichen sie es, dass sich Menschen mit anderen vernetzen, gemeinsame Hobbys pflegen und sich sozial engagieren können.1,2
Briefe, die Freude schenken
Dazu gehört etwa die Aktion Weihnachtspost gegen Einsamkeit der Solidarburg Nachbarschaftshilfe Marburg. Auf Facebook wirbt der Verein derzeit dafür, Weihnachtsgrüße an Menschen zu schreiben, die in sozialen Einrichtungen in der Lahn-Stadt leben. Nach dem fleißigen Schreiben und Basteln in den vergangenen Wochen soll diese Post schon bald den Empfängerinnen und Empfängern in der dunklen Jahreszeit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Auch in Wiesbaden und im Rheingau-Taunus-Kreis können sich alte und kranke Menschen zu Weihnachten über Karten, Briefe, Basteleien, selbst gemalte Bilder und kleine Rätsel von kreativen Schreiberinnen und Schreibern freuen. Die Aktion des regionalen Caritasverbands "Briefe gegen Einsamkeit" trifft auch außerhalb der Vorweihnachtszeit auf große Resonanz, wie es auf der Homepage heißt. Mitmachen können Interessierte egal welches Alters.
Soziale Netzwerke und Apps bringen Menschen zusammen
Sich in der Vorweihnachtszeit zu einem Kaffeekränzchen bei Kerzenschein treffen, gemeinsam kleine Geschenke gestalten, einen Weihnachtsmarkt oder ein weihnachtliches Essen in Gesellschaft genießen - dazu kann man sich auch online verabreden. Soziale Netzwerke und Apps ermöglichen, Kontakte zu anderen Nutzern zu knüpfen und ganz nach individuellen Interessen gemeinsame Unternehmungen zu vereinbaren.
Das eröffnet Möglichkeiten, neue Freundschaften aufzubauen und zusammen in die Zukunft zu blicken: Über soziale Netzwerke und Apps planen die Nutzer auch gemeinsame Reisen, tauschen sich über Wohnformen fürs Alter aus oder schließen sich als Gemeinschaft zusammen, um sich gegenseitig bei Umzügen, kleinen handwerklichen Arbeiten im Haushalt, bei Hundebetreuung oder anderen Alltagserledigungen zu unterstützen. Auch hier gibt es Angebote für alle Altersgruppen - von Jugendlichen bis zu Seniorinnen und Senioren.
"Babbel-Nett-Stammtisch" in Frankfurt plant gemeinsames Singen
In Frankfurt wollen die Initiatoren des "Babbel-Nett-Stammtischs" Menschen aus der Einsamkeit holen. Sie laden regelmäßig zu moderierten Treffen - im gesamten Jahr und auch in der Adventszeit. "Wir sorgen dafür, dass die Menschen wieder ins Gespräch kommen, weil das ist eines der größten Probleme der Einsamkeit, dass man einfach gar nicht mehr gewöhnt ist, sich auszutauschen", sagt Beate Zwermann von der Bürgerinitiative "Gemeinsam gegen Einsamkeit". Die Treffen seien kostenfrei und jeder sei willkommen.
An Heiligabend gehen die Teilnehmer des Stammtischs zum Großen Stadtgeläute auf den Paulsplatz, sagt Zwermann. Danach wolle man gemeinsam Weihnachtslieder singen. Die Initiative wurde 2021, noch während der Corona-Pandemie, in Frankfurt gegründet. Der erste Stammtisch ging 2022 an den Start. Inzwischen werden drei pro Woche veranstaltet, zudem gebe es weitere Aktionen wie gemeinsames Tanzen oder Wanderungen.
Geschichten und Plakate gegen Einsamkeit
Die Einsamkeit junger Menschen steht im Zentrum des Projektes "46von100" in Kassel, das unabhängig von Weihnachten einen Schritt heraus aus der Einsamkeit bieten will. "46 Prozent der 16- bis 30-Jährigen gaben in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung im Jahr 2024 an, von Einsamkeit betroffen zu sein", erklärt Daniel Krooß vom Kulturzentrum Schlachthof. Vor diesem Hintergrund sei die Idee zu dem Projekt entstanden.
Kern der gemeinsamen Aktion des Kulturzentrums und der Katholischen Hochschulgemeinde sei eine Plakatwand auf dem Campus der Universität Kassel mit dazugehörigen Veranstaltungen, die sich dem Thema Einsamkeit widmen, erklärt sein Kollege Gerrit Retterath. Auf der Projekt-Webseite können Texte rund um das Thema Einsamkeit hochgeladen werden. Einige dieser Beiträge werden als Plakate gestaltet und auf der Plakatwand in einer ständig wechselnden Ausstellung präsentiert. "Wir möchten damit die Erfahrungen junger Menschen mit Einsamkeit sichtbar machen und das Thema enttabuisieren", sagt Retterath.
Einfache Tipps – große Wirkung
Unabhängig vom Wohnort, kann man die Zeit rund um Weihnachten nutzen, um frühere Verbindungen wieder aufleben zu lassen – sei es durch Anrufe bei Verwandten oder alten Freunden, Gespräche mit Nachbarn oder gemeinsame Familienaktivitäten.
Die Wiederherstellung oder der Aufbau dieser Netzwerke wirkt als Schutzfaktor gegen Einsamkeit. Dies unterstützt insbesondere ältere Menschen dabei, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu leben, ein zentraler Baustein für gesundes Altern.
Viele Menschen profitieren zudem von niedrigschwelligen, alltagsnahen Empfehlungen, die leicht umzusetzen sind. Dazu gehören:
- Tägliche Spaziergänge und die Etablierung persönlicher Routinen
- Feste Telefonrituale mit vertrauten Personen
- Der bewusste Aufenthalt an Orten, die zwanglose Begegnungen ermöglichen (z. B. Bibliotheken, Cafés oder Kirchen).
Oft reicht ein kleiner Impuls für den ersten Schritt. Wer wieder positive soziale Erfahrungen sammelt, gewinnt neue, langfristige Perspektiven, die weit über die Weihnachtszeit hinaus hilfreich sind.