Das Health-Tech-Unternehmen doctolib hat 312 niedergelassene Ärzte zum Thema befragt. Die Studie liegt Medscape vor. Das Ergebnis: 31% der Ärzte haben bei der Hälfte ihrer Patienten bis hin zu fast jeder Konsultation den Eindruck, dass ihre Patienten nicht alles berichten. Nur 8% haben diesen Eindruck nie.
Eine nicht repräsentative Patientenumfrage bestätigt die Antworten der Ärzte. 31% aller Deutschen räumen ein, dass sie ihrem Arzt schon einmal wichtige Gesundheitsinformationen verschwiegen haben. Bei jüngeren Patienten ist es sogar jeder zweite. Dabei wussten sie, dass dieses Verhalten ihre Gesundheit gefährden kann.
So gaben in der doctolib-Umfrage die Ärzte als Folgen des Flunkerns den Verlust des Vertrauens in den Patienten an sowie falsche oder verzögerte Diagnosen. „Wenn Patientinnen und Patienten wichtige Informationen weglassen, führt das im besten Fall zu unnötigen Kosten durch überflüssige Diagnostik, im schlimmsten Fall sogar zu stationären Aufenthalten und invasiven Eingriffen“, sagt Allgemeinmediziner und Chirurg David Rimpl, Hausarzt am Ärztehaus Weilrod/ Hessen.
Scham und Angst vor Verurteilung lassen Patienten die Wahrheit verschweigen
Patienten verschweigen nicht nur Symptome (27 %), sondern auch mentale/psychische Probleme (24 %), ihren Alkoholkonsum (12 %) oder ihren Zigarettenkonsum (17 %), so die Patientenumfrage von doctolib. Als Grund für die Unwahrheit im Sprechzimmer vermuten 34 % der Ärzte die Angst ihrer Patienten vor Verurteilung oder negativer Bewertung, 33 % nennen Scham-Gefühle oder Peinlichkeit. 27 % der Ärzte meinen, dass ihre Patienten bestimmte Behandlungen oder Medikamente vermeiden wollen.
Ein Blick auf die Patienten bestätigt die Vermutung: 35 % von ihnen nennen die Angst vor Verurteilung als Hauptgrund für die Unwahrheiten.
Amerikanische Umfragen ergaben ein ähnliches Bild. Danach lügen 60 bis 80 % der Patienten und geben bestimmte Informationen nicht an ihren Arzt weiter.
Auch die Digitalisierung kann eine Lösung sein
Die doctolib-Umfrage setzt als Lösungsstrategie auch auf den Einsatz digitaler Hilfsmittel. So seien viele Patienten auf digitalen Vorab-Fragebögen ehrlicher. Fast 60 % derer, die schon einmal ihren Arzt angelogen haben, gaben an, dass sie auf einem Fragebogen ehrlicher antworten können als in einem Gespräch.
„Im persönlichen Gespräch haben viele Sorgen, Ängste, Schamgefühle oder ein schlechtes Gewissen. In der digitalen Kommunikation mit einer KI oder einem Fragebogen fallen diese Hemmungen weg“, sagt Hausärztin Shireen Darwesh aus Oberhausen.
Doch meistens setzen die befragten Ärztinnen und Ärzte auf eine professionelle Patientenkommunikation. 34 % versuchen, eine vertrauensvollere Kommunikation und Atmosphäre in der Patienten-Arzt-Begegnung zu schaffen.
„Generell empfinden 67 % der befragten Ärztinnen und Ärzte eine ehrliche Kommunikation als wichtig bzw. sehr wichtig für den Behandlungserfolg“, heißt es in der doctolib-Unfrage.
Der Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.