Eine leichte Erhöhung der Lipase ist ein relativ häufiger Befund bei asymptomatischen Personen und in den allermeisten Fällen liegt weder eine Pankreatitis noch ein andere signifikante Pankreaspathologie zugrunde.1 Verschiedene extrapankreatische Konditionen können mit Lipaseerhöhungen einhergehen – insbesondere die Niereninsuffizienz und bestimmte Medikamente wie systemische Kortikosteroide und Enalapril. Bevor man hier weitere Untersuchungen durchführt, sollte der klinische Kontext, der Anlass für die Lipasebestimmung und mögliche Ursachen der Erhöhung bedacht werden.
Den höchsten diagnostischen Wert hat die Lipase bei Menschen mit Abdominalschmerzen, da sie auf eine akute Pankreatitis hinweisen können. Hier liegen die Werte aber in der Regel oberhalb des dreifachen Normwertes. Außerhalb dieses Kontextes ist die klinische Relevanz unklar, wie eine i
m American Journal of Gastroenterology publizierte Kohortenstudie zeigt.
1 Routinemäßige Tests in Notaufnahmen sind mit höheren Gesundheitskosten verbunden, ohne die Erkennung von Pankreatitis zu verbessern.
Ferritin ist ein zuverlässiger Marker für den Eisenspeicher im Körper. Die Interpretation wird jedoch durch seine Rolle als Akutphase-Reaktant erschwert. In der klinischen Praxis deuten leichte Erhöhungen häufiger auf eine geringgradige chronische Entzündung, eine Lebererkrankung, Alkoholkonsum oder ein metabolisches Syndrom hin als auf eine tatsächliche Eisenüberladung.
Bei auffälligen Werten sollten daher zusätzlich die Transferrinsättigung, Leberwerte und weitere Entzüdungsmarker bestimmt werden. Der Verdacht auf eine hereditäre Hämochromatose besteht vor allem bei anhaltend erhöhter Transferinsättigung (>45 %) oder bei einer entsprechenden Familienanamnese.
Umgekehrt erfordern isolierte, mäßige Erhöhungen selten weitere Untersuchungen. Das Risiko für Organschäden wird aber erst relevant, wenn die Spiegel über 1.000 µg/l liegen. In diesem Fall muss eine sorgfältige Abklärung erfolgen. Ein metabolisches Syndrom als sehr häufige Ursache einer Hyperferritinämie
sollte immer ausgeschlossen werden.
3Tumormarker wie CEA und CA 19-9 haben nur eine sehr eingeschränkte Sensitivität und Spezifität
beim Krebsscreening in asymptomatischen Populationen.
4 In klinischen Leitlinien werden sie daher auch nicht als Screeningmaßnahme empfohlen. Erhöhte Spiegel findet man auch
bei zahlreichen anderen, nicht im Zusammenhang mit Krebs stehenden Konditionen wie Rauchen, Lebererkrankungen, Cholestase, akute Pankreatitis, Diabetes und Lungenerkrankungen.
5In diesem Kontext rechtfertigen leichte Erhöhungen keine aggressive diagnostische Abklärung. Zunächst sollte die Prätest-Wahrscheinlichkeit eines Malignoms bedacht werden. In vielen Fällen reicht es nach Berücksichtigung von Komorbiditäten und der Leberfunktion aus, den Test nach einiger Zeit zu wiederholen. Nur sehr starke Erhöhungen oder ein anhaltender Aufwärtstrend erfordern nach Ausschluss benigner Ursachen eine intensivere Tumorsuche.
Die Beispiele machen deutlich, dass es bei der Interpretation von Laborwerten immer auf den klinischen Kontext, Symptome und weitere Ergebnisse klinischer Untersuchungen ankommt. So können Parameter wie Lipase, Ferritin und Tumormarker sehr informativ sein, wenn man einen klaren klinischen Verdacht hat. Außerhalb solch eines Zusammenhangs sind solche Laborbestimmungen von geringer diagnostischer Relevanz und führen oft zu unnötigen Untersuchungen und zur Verunsicherung der Betroffenen.