„Ärzte-Latein“
Wenn die Kollegenschaft im Code spricht
Bei der ärztlichen Visite ist mitunter diskrete Kommunikation erforderlich, um fachliche Einschätzungen und zwischenmenschliche Herausforderungen zu teilen. Eine Diskussion im coliquio-Forum zeigt, dass diese ärztliche „Geheimsprache“ zwar mit Vorsicht zu genießen ist, in jedem Fall aber zum Schmunzeln im Berufsalltag anregen kann.
09.04.2026Von: Marc Fröhling

Professionalität oder Überheblichkeit? Viele Kolleginnen und Kollegen können Anekdoten zum „Ärzte-Latein“ beisteuern.
© Getty Images | Oleksandr Shchus
Die Kunst des Zuwartens und die Tücken der lateinischen Sprache
Ob es nun um den Rat zu einer „exspektativen Therapie“ bei einer harmlosen Erkrankung, den „C2-Komplex“ oder die Einschätzung der geistigen Kapazitäten des Gegenübers geht: Oft dienen Codes dazu, Behandlungsstrategien prägnant zu umschreiben. Ein Klassiker in der internistischen Entscheidungsfindung ist das „forcierte Zuwarten“. Ein coliquio-Mitglied erinnert sich an eine Augenklinik, deren Standardempfehlung bei allen Patientenvorstellungen darauf hinauslief. Andere Umschreibungen für das „watch & wait“ sind die „passive Prophylaxe“, „abwartendes Offenhalten“, KWP ("Kucken was passiert") oder, ganz pragmatisch auf Bayrisch: „Schau ma moi, dann seng ma scho“.
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