Laut einem aktuellen Bericht der
Basler Zeitung1 forderte eine Abgeordnete der Sozialdemokratische Partei (SP) mehr Transparenz bei den Löhnen in öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern, da diese einen erheblichen Anteil an den Gesundheitskosten ausmachten. So sollen anonymisierte Gehaltsspannen von Chefärztinnen und Chefärzten sowie leitenden Ärztinnen und Ärzten regelmäßig veröffentlicht werden. Als Vorbild dient das System im Kanton Bern, wo die Gesundheitsdirektion jährlich aggregierte Lohnspannen für leitende Ärztinnen und Ärzte erstellt.
So viel verdienen Chefärztinnen und Chefärzte in Basel
Auf die parlamentarische Forderung reagierte der Regierungsrat mit der Publikation detaillierter Gehaltsdaten. Die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne für Chefärztinnen und Chefärzte (CA) (einschließlich variabler Lohnbestandteile) und leitende Ärztinnen und Ärzte (LA) betragen demnach:
- Maximalvergütung für Chefärzte am Universitätsspital Basel (USB) liegt bei 850.000 Franken. Im vergangenen Jahr wurden jedoch im Schnitt 490.000 Franken ausbezahlt. Leitende Ärztinnen und Ärzte kamen auf durchschnittlich 330.000 Franken.
- Universitäre Altersmedizin Felix Platter (UAFP): 440.000 Franken (CA) / 234.000 Franken (LA)
- Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK): 270.000 Franken (CA) / 200.000 Franken (LA)
- Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): 380.000 Franken (CA) / 240.000 Franken (LA)
- Universitäres Zentrum für Zahnmedizin (UZB): 300.000 Franken (Klinikleitung) / 145.000 Franken (Oberärztinnen und -ärzte)
"Marktgerecht, aber nicht überzogen"
Die Regierung betont, dass die Löhne marktgerecht, aber nicht überzogen seien. In einem angespannten Fachkräftemarkt seien sie erforderlich, um hochqualifiziertes medizinisches Personal im Kanton zu halten.
Die Lohnstruktur steht im Kontext nationaler Reformen zur Eindämmung überhöhter leistungsabhängiger Entgelte. Wie das medizinische Fachportal Medinside2 berichtet, lag das durchschnittliche Chefarztgehalt am Kantonsspital Aarau zuletzt bei 638.000 Franken, am Kantonsspital Baden lagen 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte unter 500.000 Franken.
Kostenkontrolle und faire Vergütungsstrukturen
Die Diskussion um Chefarztgehälter in Basel-Stadt reiht sich in eine schweizweite Entwicklung ein, bei der Transparenz, Kostenkontrolle und faire Vergütungsstrukturen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die aktuelle Offenlegung durch den Regierungsrat liefert erstmals eine fundierte Datengrundlage für diese Debatte. Weitere politische und gesetzgeberische Entwicklungen werden zeigen, ob Basel-Stadt dem Beispiel anderer Kantone in Richtung institutionalisierter Lohntransparenz folgen wird.
Engpass in der Grundversorgung auch in der Schweiz spürbar
Trotz hoher Gehälter kämpfen auch die Schweizer Nachbarn mit Ärztemangel. Zwar zeigt die Ärztestatistik 2024 der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) einen leichten Zuwachs an berufstätigen Ärztinnen und Ärzten, doch reicht dieser nicht aus, um den wachsenden Versorgungsbedarf zu decken – besonders in der Grundversorgung. Ein Drittel der Hausärztinnen und Hausärzte ist 60 Jahre oder älter, das durchschnittliche Arbeitspensum sinkt, und die Arbeitsbelastung bleibt hoch. Frauen stellen fast die Hälfte der Ärzteschaft, sind aber in leitenden Funktionen deutlich untervertreten.
Zudem bleibt die Abhängigkeit vom Ausland hoch: Über 41
% der
Ärztinnen und
Ärzte haben ihr Studium im Ausland absolviert. Die FMH warnt, dass sich die Versorgungslage weiter zuspitzen k
önnte, falls sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Der Berufsverband fordert deshalb mehr Studien- und Weiterbildungspl
ätze sowie bessere Arbeitsbedingungen, um die medizinische Versorgung langfristig zu sichern.
Mehr dazu lesen Sie hier >>Situation in Deutschland
Wie das Ärzteportal "Praktisch Arzt"3 basierend auf den Informationen der Jobseite "Gehalt.de"4 berichtet, kann man zu Beginn der Tätigkeit als Chefarzt das Gehalt unabhängig von bestehenden Tarifverträgen verhandeln. Je nach Klinik und Träger kann das monatliche Bruttogehalt zum Einstieg zwischen 9.000 und 11.000 Euro liegen – selbst dann, wenn der Arbeitgeber eigentlich tarifgebunden ist.
Außertarifliches Gehalt (AT-Gehalt): Während Assistenz-, Fach- und Oberärzte üblicherweise nach dem Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ärzte) bezahlt werden, gilt dies für Chefärzte in der Regel nicht. Sie erhalten stattdessen ein außertarifliches Gehalt (AT-Gehalt), das individuell zwischen Klinik und Arzt ausgehandelt wird. Diese Form der Vergütung ist qualifizierten Fach- und Führungskräften vorbehalten.
Vergütung als Chefarzt – Einkommensspanne in Spitzenpositionen: Laut dem Kienbaum-Vergütungsreport 2019 beläuft sich das durchschnittliche Bruttojahresgehalt eines Chefarztes auf etwa 300.000 Euro. Die Erhebung basierte auf Daten von 119 Kliniken. In der Praxis hängt die tatsächliche Höhe des Gehalts von mehreren Faktoren ab, sodass realistische Jahresgehälter zwischen etwa 210.000 und 280.000 Euro brutto liegen.
coliquio-Gehaltsreport 2024
Der coliquio-Gehaltsreport 2024 gibt einen umfassenden Überblick über das Einkommen von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland. Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen liegt bei rund 150.900 €, netto bei etwa 93.200 €. Deutliche Unterschiede bestehen je nach Tätigkeitsfeld, Fachrichtung, Bundesland, Geschlecht und Alter. So verdienen Ärzte in Einzelpraxen im Schnitt deutlich mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in Kliniken, während Fachärzte für HNO, Orthopädie und Augenheilkunde zu den Spitzenverdienern zählen. Der Gender-Pay-Gap ist weiterhin gravierend: Auch in Vollzeit verdienen Ärztinnen im Schnitt rund 34 % weniger als ihre männlichen Kollegen.
Mehr dazu finden Sie in unserem Gehaltsreport >>